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Solarkocher

- Kochen ohne Strom -

2. September 2018 Darf ich vorstellen: dieses Ungetüm ist unser Solarkocher. Mein Mann und ich haben ihn selbst gebaut.

Solarkocher: Das ist ein gelber Pappkarton mit dem Logo einer Brotfirma. Als Deckel dient ein Glasplatte. Recht, links und hinten stehen jeweils entlang der Kante ca. 30cm hohe Pappkartons ab. Diese sind mit Alufolie bezogen und dienen als Spiegel. Vorne ist kein Spiegel.

Wir haben ihn noch gar nicht so lange - vielleicht vier Wochen. Aber er erweist sich gerade als wirklich brauchbar. Über ihn freue ich mich momentan jeden Tag - kein Wunder, das Wetter spielt in diesem Jahrhundertsommer ja mit. Und nachdem die Wetterprognosen immer noch ganz gut sind, stelle ich ihn Euch doch noch dieses Jahr vor - auch wenn wir ihn erst so kurz getestet haben. Vielleicht habt Ihr dann auch viel Freude damit?! Wir kochen jetzt noch viel lieber ein. Früher haben wir nur wenige Dinge wie Tomatensoße, Essiggurken und Erdbeermarmelade eingekocht, um die Einweggläser einzusparen, die keine gute Umweltbilanz haben. Jetzt macht das richtig Spaß. Vorher waren wir etwas zögerlich beim Einkochen oder Trocknen, weil das viel Energie verbraucht und vermutlich die industriellen Maschinen eine bessere Bilanz aufweisen. Was machen wir mit der Solarbox?

Einkochen & Trocknen

Im Solarkocher stehen vier Einmachgläser mit Gemüse drin. Solarkocher: Das ist ein gelber Pappkarton mit dem Logo einer Brotfirma. Als Deckel dient ein Glasplatte. Recht, links und hinten stehen jeweils entlang der Kante ca. 30cm hohe Pappkartons ab. Diese sind mit Alufolie bezogen und dienen als Spiegel. Vorne ist kein Spiegel.

Paprikapulver zum Würzen, Dörrpflaumen, Gemüsebrühe, getrocknete Tomaten oder Essiggurken einkochen. Weiter unten kommen übrigens einige Beispiele, aber jetzt erst einmal….

…ein paar Worte zur Anschaffung:

Wir wollten uns weder einen Einkochautomaten noch einen Dörrautomaten anschaffen. Nicht nur, weil dann so viele Geräte herumstehen und der Platz ist rar, sondern auch, weil das Einkochen und Trocknen einfach einiges an Energie kostet, geschweige denn von der Anschaffung der Geräte. Ein Solarkocher kostet auch nicht wenig, aber wir haben ihn selber gebaut und zwar nach dieser Anleitung, übrigens herausgegeben vom Umweltinstitut: Bauanleitung Solarkocher (Achtung: die Bauanleitung ist nicht mehr online. Es ist auf Nachfrage rausgekommen, dass noch nicht klar ist, ob die Anleitung wieder drauf kommt. Das Umweltinstitut hat es uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Bei Interesse kann ich per Mail weiterleiten) Gekostet hat er uns ca. 35 Euro - mit eingerechneten Fahrkosten - kann auch billiger kommen, falls man Kleber etc. noch als Restbestand zuhause hat.

So verlief die Materialanschaffung

Kartons Die Kartons haben wir uns im Supermarkt organisiert und das gestaltete sich übrigens als das Aufwendigste von allem: Die Kartons werden nämlich, sobald sie nicht mehr gebraucht und leer geräumt wurden, sofort zerlegt und kleingemacht, damit sie weniger Platz im Altpapier brauchen. Im Endeffekt haben wir Glück gehabt, dass wir am Vormittag da waren und haben in der Größe passende Kartons bei den Semmeln und Toastbroten in einem riesigen Supermarkt bekommen. Da waren gerade zwei fast leer gekauft, so dass wir umschichten und uns die Kartons unter den Nagel reißen konnten.

Glasplatte Das Glas zur Abdeckung bekamen wir bei einem Glaser zugeschnitten, inklusive Materialkosten für 10 Euro.

Metallplatte Die Metallplatte bekamen wir bei einem Spengler für 4 Euro.

Alufolie Die Alufolie im Supermarkt für 2€ – wir haben sie übrigens nicht in der angegebenen Breite bekommen und haben somit einfach zwei schmalere Folien – also eben die haushaltsübliche Alufolie – zusammengeklebt.

PU- Platte Sie dient zur Isolierung, damit der Karton nicht heiß wird und die Hitze drin bleibt und bildet die „Backofenwände“. Wir haben sie nicht im Baumarkt, sondern nur im Baustoffhandel bekommen. Kostete 9 Euro. Kleber Hatten wir bzw. unser Freund Peter, mit dem wir gebaut haben schwarze Farbe Sie kostete im Baumarkt ca. 8 Euro. Man braucht aber nur wenig davon. Es lohnt sich also zu schauen, ob jemand noch Reste hat (z.B. Nachfragen in Tauschbörsen etc.), oder sich die Farbe mit jemanden zu teilen und vielleicht sogar gemeinsam einen Solarkocher zu bauen. Macht noch mehr Spaß!

Nachteile:

  • PU-Platte: PU ist nicht unbedingt ein nachhaltiges Material. Bei der Beratung im Baustoffhandel wusste man allerdings auch keine Alternative. Ein Freund von uns, der in der Baubranche arbeitet, meinte, dass möglicherweise Hanfplatten eine Alternative sein könnten. Allerdings müsste man sie wahrscheinlich selbst mit Alu beschichten und ob das mit einem nachhaltigen und ungiftigen Kleber gehe, sei fraglich. Wir haben uns trotz kleiner Bauchschmerzen für die PU-Platte entschieden, denn immerhin hat ein Solarkocher ja auch ökologische Vorteile. Aber: Falls Ihr eine Idee oder Möglichkeit seht, diese PU-Platte zu ersetzen, bitte schreibt mir unbedingt einen Kommentar, eine Mail oder nutzt das Kontaktformular.

  • Ein weiterer Nachteil ist die Alufolie. Wir haben den Karton damit beklebt, quasi als Sonnenkollektoren. Nur, wenn man den Deckel, also die Glasplatte häufiger öffnet und wir haben sie fast täglich geöffnet, schrubbt man die Alufolie immer wieder etwas ab. Das muss vermutlich irgendwann mal ausgebessert werden. Das Gleiche könnte dann aber wahrscheinlich passieren, wenn man Hanf mit Alufolie beklebt, wie eben bei der PU-Platte angedacht. Diese mit Alufolie beschichtete PU-Platte ist dagegen zumindest sehr robust – trotzdem suchen wir immer noch eine Alternative dafür

  • Man kann die Hitze nicht gut regulieren. Klar, kann man den Solarkocher ein bisschen von der Sonne abwenden und damit die Hitze etwas verringern. Oder die Glasplatte mittels eines Kochlöffels etwas anheben, so dass warme Luft entweichen kann. Auf das Grad genau geht das aber nicht. Und man kann damit auch nicht anbraten. Die Höchstwerte, die der Solarkocher bringen soll, liegen bei 120 Grad.

  • Man braucht Sonne. Kocht man ein z.B. Bohnen, die ca. 2 Stunden bei 100 Grad brauchen, sollte man auf den Wetterbericht achten und schauen, dass nicht immer wieder in langen Zeitspannen dicke Wolken vor die Sonne drängen. Für kürzere Einkochzeiten klappt aber meist ein normaler sonniger Tag mit ein paar Wolken wunderbar.

Die Vorteile:

  • Kein Stromverbrauch, das ist umweltschonend und der Geldbeutel freut sich

  • Trocknen geht wesentlich schneller als nur an der Sonne oder der Luft

  • Man kocht eher ein und trocknet Dinge selber, weil es nichts zusätzlich kostet. Einiges hätten wir im Sommer nicht gemacht z.B. Pilze trocknen oder Klaräpfel trocknen für Tee. Aber jetzt mit dem Solarkocher nutzen wir verstärkt Früchte und Gemüse, welches wir geschenkt oder getauscht bekommen oder sammeln können oder im Garten haben und verwerten so noch mehr. Vorher hatten wir nur wenige Dinge ausschließlich im Herbst und Winter im Kachelofen getrocknet, weil das keinen zusätzlichen Strom brauchte.

  • Man kann sich dadurch einiges selbst herstellen, was man sonst schwer unverpackt bekommt z.B. getrocknete Tomaten oder Pilze, Gemüsebrühe. Dazu ist es regional, saisonal und ihr habt einen Vorrat. Und wenn der Vorrat clever genutzt wird, muss man weniger einkaufen, spart Zeit und Geld.

  • Den Solarkocher kann man leicht selber bauen. Es ist wirklich leicht. Beweis: Daniel hat nicht rumgeflucht! ?

- Fehler, die ihr nicht machen solltet:

  • Unterschätzt nicht die Hitze, die innerhalb von wenigen Minuten entstehen kann. Also fasst das Glas mit Handschuhen an! Es wird heiß! Und auch die Luft, die herauskommt, wird heiß. Also haltet mit Eurem Riechkolben etwas Abstand, wenn Ihr den Glasdeckel öffnet

  • Wenn Ihr trocknet, sollte der Glasdeckel nicht komplett luftdicht aufliegen. Legt z.B. einen Kochlöffel rein. Grund: Beim Trocknen bildet sich Kondenswasser und das lagert sich an der Scheibe ab und tropft dann runter z.B. auf Eure Tomaten, die Ihr trocknen wolltet. Das bringt also nichts. Die Feuchtigkeit muss ja raus.

  • Wenn Ihr einen Löffel beim Trocknen reinsteckt, denkt bitte daran, dass die Löffel aus Metall auch heiß werden können!

Hier kommen einige Beispiele, die wir in der Zwischenzeit schon im Solarkocher gemacht haben:

Senfgurken & Senfzucchini Nachdem die Gurken und Zucchini dieses Jahr ja sehr gut gewachsen sind und wir über die Tauschbörse und Foodsharing und teilweise auch aus dem Garten einiges kostenlos bekommen haben, haben wir Senfgurken und Senfzucchini eingemacht. Teilweise wären sie halt sonst weggeworfen worden. Senfgurken sind eigentlich fast das Gleiche wie Essiggurken. Sie sind süß-sauer eingelegt und es kommen mehr Senfkörner als bei Essiggurken rein. Bei Essiggurken sind es halt lauter kleine Gurken, bei Senfgurken werden die Gurken in Scheiben geschnitten. Mit Zucchini soll das auch klappen laut der Uroma und so haben wir sie auch eingelegt. Das Rezept haben wir hierher: Anleitung für Senfgurken & -zucchini Dann hatte der Solarkocher zu tun. Wir haben die Gläser hineingestellt und das ganze eingekocht. Ehrlich gesagt, haben wir sie vergessen und sie kochten vermutlich eine Stunde ein. Aber schmecken – zum Glück. Normalerweise sollten 20 Minuten bei 90 Grad reichen.

Tomatensoße einkochen

zwei Bügelgläser mit Tomatensoße. Als Deko liegen Cocktailtomaten in rot und Basilikum davor

Eingekocht haben wir damit auch unsere Tomatensoße. Wir kochen generell in Bügel- und Weckgläsern ein. Dazu haben wir uns Suppentomaten (also zweite Wahl) bei einem Bauern reservieren lassen. Die bieten sie ab und zu an, aber oft werden die überreifen, teilweise angeschrumpelten oder aufgeplatzten Tomaten kompostiert, weil sie keiner will. Sie kosten deshalb auch weniger. Ich sag Euch aber, diese überreifen Tomaten haben ein Wahnsinns-Aroma! Sie eignen sich prima als Suppe, als Ketchup oder Soße (für Spaghetti, auf die Pizza) zum Einmachen. Ihr könnt sie auch Einfrieren, klappt auch im Glas, aber soviel Platz haben wir in der Gefriertruhe nicht. Mit dem Solarkocher können wir nun ohne zusätzlichen Energieaufwand die Soßen und Suppen haltbar machen. Die Tomatensoße haben wir etwa eine halbe Stunde bei um die 105 Grad Celsius drin gehabt. Man kann hier natürlich schwer die Temperatur regulieren. Aber zum Einkochen passt es in diesem Fall, wenn man ca. 90 Grad erreicht. Ich würde aber ein Thermometer empfehlen, damit ihr auch die Mindesttemperatur kontrollierten könnt. Denn die solltet ihr erreicht haben, da sonst Euer Einmachgut nicht sicher konserviert ist.

Paprikagewürz

ein weißer Teller mit getrockneten Tomaten und einem Haufen Paprikapulver

Dann gab es Schrumpelpaprika aus dem eigenen Garten – vermutlich haben wir sie auch zu wenig gegossen - kommt vor:). Sie waren aber reif. Wir haben sie solange im Solarkocher gelassen bis sie trocken waren und mit einem Stößel zermahlen. Die Kaffeemühle hatte sich nicht geeignet. Sie mahlte nicht fein genug. Wann sie trocken sind, hängt viel von der Sonneneinstrahlung ab und wieviel Feuchtigkeit das Produkt hat.

Getrocknete Tomaten Die getrockneten Tomaten haben ca. einen Tag in der Sonne im Solarkocher gebraucht. Dörrpflaumen, Dörrzwetschgen

drei frische Pflaumen im Vordergrund. Dahinter eine Schüssel in weiß aus Keramik mit Dörrpflaumen

Hier kommt es auf zwei Sachen an: erstens wie safthaltig sind sie? Pflaumen sind saftiger, Zwetschgen fleischiger. Zweitens: Entsteint man sie und legt sie "im Ganzen" in den Trockner oder halbiert man sie beim Ensteinen und legt die Häften in den Trockner. Die Hälften gehen schneller. Sie haben aber ca. 10 Stunden gebraucht. Das sollte man einrechnen, erst recht, wenn man nicht den ganzen Tag Sonne auf dem Balkon oder im Garten hat. Also in solchen Fällen auch auf den Wetterbericht achten, damit man zwei Tage Sonne am Stück hat. Pilze Die klein geschnittenen Pilze dagegen waren nach einem halben Tag voller Sonneneinstrahlung trocken. Sie geben in Soßen ein hervorragendes Aroma. Wir haben sie nicht gesammelt, sondern haben über die Lebensmittelrettung einige bekommen, die ein paar weiche Stellen hatten und so haben wir sie verwertet. Auf einmal essen ging nicht und die Gefriertruhe wurde gerade abgetaut. Gemüsebrühe Habt Ihr einiges an Gemüse über, aber von jedem nur ein bisschen? Dann könnt ihr sie ganz leicht zu Gemüsebrühe machen. Mit Salz im Mixer zu einer leckeren haltbaren Paste oder ihr trocknet dann die ganze Paste, in dem ihr sie auf einem Blech oder einer Backfolie (kompostierbar?) ausbreitet und im Solarkocher trocknen lasst. Die Anleitung habe ich Euch am Schluss des Beitrags noch verlinkt.

Apfelringe & Apfelchips

Apfelchips in einer hellblauen Keramikschüssel

Die Äpfel sind 2018 ja so früh reif gewesen und die Ernte war so gut, dass wir einiges angeboten bekommen haben. So haben wir die Äpfel geschält und entkernt und in Scheiben geschnitten. Die dickeren wurden Apfelringe, die dünnen wurden zu knusprigen Apfelchips. Die Apfelchips sind übrigens nicht nur bei mir, sondern auch bei den Kindern zum Knabbern sehr beliebt. Sie können eine gesunde Alternative zu Süßigkeiten sein.

Getrocknete Früchte für Tee, zum Knabbern, im Müsli, in Soßen etc. Haben die Äpfel einige Schadstellen, bleibt oft nur wenig davon über. Aber klein geschnitten sind diese Reste samt Schale (falls ungespritzt und unbehandelt) getrocknet trotzdem als Apfeltee brauchbar. Auch Holunderbeeren sind toll im Tee. Mit einem Sud aus den getrockneten Holunderbeeren soll man übrigens auch Eier färben können. Hat damit jemand Erfahrung? Die Holunderbeeren haben bei mir aber sehr lange Trocknungszeiten gehabt. Wir haben ca. 6-7 Stunden Sonne im Sommer im Garten an einem wolkenlosen Tag und wir haben zwei Tage trocknen müssen. Es werden noch einige weitere Dinge folgen, die wir darin machen wollen. Marmelade einkochen oder Kokosflocken trocknen, Fruchtleder, Gemüsebrühe aus Schalen darin kochen. Und demnächst bekomme ich auch noch mal Äpfel . Da werde ich noch mal Apfelmus einkochen. Ob man darin auch Kartoffeln weich bekommt und wie lange dauert das dann? Klappt das auch im Winter? Was würdet Ihr darin noch machen oder habt Ihr damit schon Erfahrung? Schreibt gerne auch hier in die Kommentare, dann können das auch die Facebookabstinzler lesen Dieser Beitrag auf Facebook Update 21. September 2018: Ich habe das Fruchtleder gemacht und war lecker und auch einfach. Die genaue Anleitung findet Ihr hier: Fruchleder DIY

zusammengerolltes Apfelleder. Im Hintergrund sind die Äpfel Jonagold zu sehen, sowie ein Korb

Update: 26.06.2019 Es haben ja sich schon einige von mir die Anleitung weiterleiten lassen und es gab auch schon echt tolles Feedback und Ihr habt dabei auch noch so tolle Ideen. Schickt das gerne auch weiterhin über Kontakt oder schreibt einfach unten in die Kommentare. Damit auch die anderen etwas von den Ideen, die ich per Mail oder Kontakt bekam, haben, kommen hier ein paar weitere Ideen zusammengefasst:

  • Der siebenjährige Georg hat sich darin das Wasser für sein Planschbecken warm gemacht. Logo, dass seine Mama ein Auge darauf hatte, denn das Wasser kann ja sehr heiß werden!

  • Eine Imkerin hat darin ihr Wachs geschmolzen, damit sie es flüssigerweise filtern konnte

  • Wir haben darin übrigens Kartoffeln drin gemacht. Da sich aber dauernd Wolken vor die Sonne schoben, dauerte das den ganzen Nachmittag - das sollte man einplanen. Gut, dass Wochenende war .

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