Regrowing: Gemüse nachwachsen lassen

Aktualisiert: 29. Sept.
Gemüse aus Reste nachwachsen lassen
Was ist denn Regrowing?
Wer in der Küche kocht, hat fast täglich Gemüsereste in der Hand: den Strunk vom Lauch, die Wurzeln von Frühlingszwiebeln oder das Ende vom Stangensellerie. Viel zu schade für die Tonne! Beim sogenannten Regrowing lässt man Gemüse aus Resten nachwachsen . Vermeintlichen Abfall ziehen wir direkt auf der Fensterbank zu neuem Gemüse heran. Das schont Ressourcen, macht Spaß und bringt frisches Grün in die Küche.

Wir funktioniert Regrowing?
Das waren einmal die abgeschnittenen Enden samt Wurzeln von einer Frühlingszwiebel. Diese haben wir ins Wasser gestellt, da sie schon ein wenig eingetrocknet waren. Beim Wachsen konnte man von da an regelrecht zusehen. Die Frühlingszwiebeln auf dem Bild sind nun vier Tage im Glas und sind dementsprechend nachgewachsen. Jetzt kommen sie demnächst ins Beet. Das Gleiche haben wir im November übrigens auch gemacht mit zwei Frühlingszwiebelenden. Klar, November ist nicht Pflanzzeit, schon gar nicht im Voralpenland, aber immerhin ist eine Zwiebel durchgekommen. Die andere hat sich wohl selbst kompostiert. Aber das wäre ihr ja eh geblüht, wenn wir nicht diesen Versuch gemacht hätten. :-) Für diese Methode muss man übrigens keinen Garten haben. Das geht auch auf dem Balkon oder an einem hellen Fensterbrett. Wie oft man mit einer Frühlingszwiebelwurzel auf diese Art verfahren kann, wird der Langzeitversuch zeigen. Oder hat das von Euch schon jemand häufiger geerntet? Mit Lauchzwiebeln hat das übrigens auch geklappt, allerdings wuchsen sie etwas langsamer.
Langzeit-Erfahrung: Die Frühlingszwiebeln lassen sich mehrfach beernten. Allerdings wachsen sie deutlich langsamer und brauhen mehr Dünger. Der Ertrag nimmt ab. Viele Frühlingszwiebeln eignen sich auch nicht für draußen auf dem Balkon oder Garten, weil sie nicht winterhart sind. Die Alternative wären hier Winterheckzwiebeln.
So geht Regrowing - Checkliste
Gemüsereste vorbereiten: Schneide den unteren Teil oder die Wurzeln von Gemüseresten (wie Frühlingszwiebeln, Lauch oder Rote Rübe) sauber ab. Achte darauf, dass noch ein Stück des Wurzelansatzes vorhanden ist.
Ins Wasserglas stellen: Stelle die Reste mit der Schnittfläche nach oben in ein sauberes Glas mit etwas frischem, flachem Wasser. Platziere das Gefäß an einem hellen Ort auf deiner Fensterbank (ohne direkte, pralle Mittagssonne).
Regelmäßig Wasser wechseln: Tausche das Wasser alle ein bis zwei Tage gegen frisches, lauwarmes Wasser aus, um Schimmel und Bakterien zu verhindern. Bei Zwiebelpflanzen und im Sommer bei Hitze solltest du das Wasser sogar täglich wechseln.
Ernten oder einpflanzen: Sobald sich kräftige Triebe und Wurzeln gebildet haben, kannst du das frische Grün ernten (z. B. bei Lauch und Kräutern) oder die Pflänzchen für ein weiteres Wachstum in Bio-Erde umtopfen.
Kartoffeln nachwachsen lassen

Auch bei Kartoffeln, die ausgetrieben sind, machen wir das ab April.
Das funktioniert so:
Dazu benötigen wir einen sehr großen Topf oder eine Kiste.
Das Pflanzgefäß wird mit ca. 15 cm mit Erde befüllt.
Die ausgetriebenen Kartoffeln legen wir hinein,bedecken sie erneut mit Erde bedeckt und gießen sie an.
Sind die Blätter ca. 20 cm draußen, werden sie wieder mit Erde bedeckt, so dass nur noch die obersten Blätter herausschauen.
So verfährt man bis der Topf bis oben hin voll ist.
Schließlich lässt man sie wachsen. Durch diese Prozedur bildet die Kartoffelpflanze mehr Kartoffeln aus, als wenn man sie nicht immer wieder anhäufeln würde und hat somit einen höheren Ertrag.
Die Töpfe oder Kisten haben wir vor dem Haus und auf dem Balkon in der Sonne stehen. Das machen wir schon seit einigen Jahren und können ein paar eigene Kartoffeln ohne viel Zutun ernten. Unser Versuch mit einem Kartoffelturm ist übrigens kläglich gescheitert. Die Wühlmaus hat hier zugeschlagen, so dass wir nur einen halben Kübel Kartoffeln ernten konnten. Bei den Töpfen und Kisten ist das glücklicherweise noch nie passiert.
Vorteile von Regrowing:
Zugegeben, das ist eine ungewöhnliche Form von Reusing (Wiederverwenden, dritte Säule bei Zero Waste). Aber sie hat Vorteile:
man kann ein wenig Geld sparen,
man weiß, wie das Gemüse angebaut wurde,
und regionaler geht es ja nicht. Kinderprojekt: Wir machen das gerne mit unseren Kids. Sie haben ihr "Kinderbeet" (ok, eher ein großer Topf:-)) und lernen so, dass Obst und Gemüse nicht selbstverständlich ist. Man muss es gießen, gegebenenfalls vor Schädlingen bewahren und sie lernen den Respekt vor der Pflanze und der Umwelt. Den Stolz und die Freude über die Ernte muss man ja nicht extra erwähnen. Kennt ihr noch Gemüsesorten, die man weiterwachsen lassen kann statt zu kompostieren und bei denen sich das auch lohnt? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Schreibt gerne in die Kommentare.
FAQ - häufig gestellt Fragen zum Regrowing
Wächst aus einer Karotte im Wasserglas eine neue Karotte?
Nein, im Wasserglas wächst bei Karotten, Roter Bete oder Fenchel lediglich das frische Grün (Möhrengrün bzw. Blätter) nach. Das ist aber trotzdem super, weil es sich hervorragend zum Würzen, für Suppe oder für Salate eignet.
Welches Gemüse eignet sich besonders gut für Anfänger oder Kinder?
Besonders gelingsicher sind Frühlingszwiebeln, Knoblauch, Lauch und Romana-Salat. Ihre Wurzeln treiben im Wasserglas innerhalb weniger Tage rasant neue Triebe aus.
Wie oft muss das Wasser beim Regrowing gewechselt werden?
Um Schimmelbildung und ein Kippen des Wassers zu verhindern, sollte das Wasser in den Gefäßen alle ein bis zwei Tage gegen frisches, lauwarmes Wasser ausgetauscht werden. Bei Zwiebelpflanzen täglich und bei sehr warmen Temperaturen im Sommer auch täglich.
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