Wurmröhre: Dünger für Garten & Balkon
- Stefanie Kießling

- vor 2 Tagen
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 19 Stunden
Wie cool wäre es, wenn deine Essensreste gar nicht erst dein Zuhause verlassen, sondern direkt im Beet, Balkonkasten oder Topf zu wertvollem Dünger werden?!
Genau das macht eine Wurmröhre möglich!
In diesem Video zeige ich dir, wie man sie einbaut.
Was ist eine Wurmröhre und wie funktioniert sie?
Eine Wurmröhre, oft auch Wurmkomposter oder Wurmvase genannt, ist sozusagen ein Mini - Komposter direkt fürs Beet oder Pflanzgefäß.
Durch die Löcher und den offenen Boden können deine Kompostwürmer zum Buffet wandern und sich einen genehmigen. Zum Dank hinterlassen sie dir den besten organischen Dünger der Welt: Wurmhumus! Und das völlig kostenlos! Die bekommen keinen Mindestlohn und sind mit Kost und Logis völlig fein.

Wurmröhren gibt es in verschiedenen Ausführungen:
Der Wurmturm, den ich hier benutze, ist sehr schmal. Er ist perfekt für Töpfe, Wannen oder Vertikalbeete.
Es gibt sie allerdings auch in anderen Ausführungen. Für den Garten habe ich eine deutlich größere Variante.
Das könnt ihr euren Bedürfnissen anpassen.
Alle meine Wurmröhren haben eines gemeinsam: sie haben keinen Boden.
Der Clou: Warum meine Wurmröhren keinen Boden haben
-und wirklich eine Röhre und kein Kompostgefäß sind-
Mobil & einfach: Ist die Röhre voll und der Bio-Müll verrottet, ziehe ich das Rohr einfach nach oben heraus. Der (halb)fertige Kompost bleibt genau dort im Beet liegen.
Hätte ich nun einen Wurmturm mit Boden, ginge das nicht. Ich müsste das ganze Tongefäß erst umständlich komplett ausgraben und dann die Erde entleeren. Dabei muss man vor allem mit einer Metallschaufel vorsichtig sein, da die Röhre aus Ton besteht und brechen könnte. Mit einer Wurmröhre ohne Boden ist man flexibler.
Boden-Schutz: Ich muss nichts mühsam ausgraben. Das schont das empfindliche Bodenleben (Edaphon) und die Wurzeln meiner Pflanzen.
Sofort weiterziehen: Die leere Röhre wandert direkt an die nächste Stelle im Beet weiter. So wird das ganze Beet nach und nach natürlich gedüngt. Man kann sie natürlich auch an einer Stelle lassen - sozusagen als "Dauer - Dünger -Installation". Effektiver ist es aber, sie von Platz zu Platz ziehen zu lassen.
Welche Vorteile haben Wurmröhren?
Natürlicher Dünger: Nährstoffe gelangen direkt an die umliegende Erde bzw. Wurzeln.
Kein Kunstdünger nötig: Wurmkompost zählt zu den hochwertigsten Düngern, die du Pflanzen zur Verfügung stellen kannst. Wurmkompost ist Kunstdünger ökologisch gesehen überlegen, da Kunstdünger in der Herstellung sehr energieintensiv und klimaschädlich ist. Du baust mit dem Wurmkompost dagegen eigenen Humus auf und kannst dir die Kosten für Dünger sparen.
Bodenaktivierung: Kompostwürmer lockern das umliegende Erdreich auf. Dadurch entstehen mehr sogenannter Sekundärporen. Das sind kleine Hohlräume, die mit Sauerstoff oder Wasser gefüllt sein können.
bessere Wasserspeicherung: Komposterde kann mehr Feuchtigkeit als normale Erde aufnehmen und trocknet auch langsamer aus.
Wasseraufnahme: Bei Starkregen kann der gebildete Humus mehr Wasser aufnehmen. Das schützt den Boden vor Verschlämmung. Ist ein Boden nämlich verschlämmt, wird er hart, nimmt schlecher Wasser auf und Pflanzen können weniger Wurzeln bilden. Das ist besonders bei sehr lehmhaltigen Böden ein Problem.
Für sandigen Boden verbessere sich mit Kompost laut der Michigan State University die Wasserspeicherkapazität um das 2,5-Fache. Es wird sogar davon gesprochen, dass daraus entstandener Humus das 3- bis 5- Fache seines Eigengewichts an Wasser aufnimmt. (Quelle: Scheffer / Schachtschabel: Lehrbuch der Bodenkunde,16. Auflage, S. 69). Das ist also ordentlich und
hilft euch deshalb Wasser zu sparen (und die Kosten dafür, falls ihr kein Regenwasser oder Grauwasser verwenden könnt). Das bedeutet gleichzeitig, dass man weniger Zeit beim Gießen verbringen muss.
Abfallvermeidung: deine Küchenabfälle werden zu schwarzen Gold - direkt vor Ort.
Geldersparnis: Ihr habt weniger Transportkosten, weil ihr weniger Erde und Dünger kaufen müsst. Am Balkon fällt das weniger ins Gewicht als im Hochbeet oder gar im Garten. Aber ich hoffe, dass ihr bei einem großen Garten eh eine Kompostmiete habt.
Weniger Emissionen und Reifenabrieb: durch die Entsorgung des Biomülls fallen sie geringer aus oder ganz weg
Zusatz-Nutzen: Die Insektentränke im Deckel
An meiner Wurmröhre liebe ich besonders den speziellen Deckel. Ich nutze ihn direkt als kleine Insektentränke. Mit etwas Wasser, ein paar Zweigen und Lehm schaffe ich eine wichtige Anlaufstelle für Wildbienen und Wespen. So wird die Wurmröhre zum Multifunktions-Tool für den Naturgarten.

Tipp: Wie du eine perfekte Insektentränke im Detail baust, zeige ich dir in diesem Beitrag.
Achtung beim Standort der Wurmröhre
Nicht alle Pflanzen mögen die Wurmröhre in ihrer unmittelbaren Nähe. Starkzehrer wie Kürbis, Gurken, Zucchini, Tomaten oder Mais werden die hohen Düngergaben lieben.
Mittelzehrer dagegen wie Mangold, Salat, Karotten oder Zwiebeln finden das nicht ganz so toll und wachsen möglicherweise schlecht. Bohnen, die zu den Schwachzehrern gehören, oder der blaue Insektenmagnet Natternkopf könnten euch das beispielsweise sogar richtig übel nehmen und kümmern.
Wähle also mit Bedacht, wo du die Wurmröhre hinsetzt! Wenn Du Dir unsicher bist, kannst Du gerne hier in den Kommentaren fragen oder recherchiere zu Starkzehrern. Wenn Deine Pflanze ein Starkzehrer ist, kannst Du sie in die Nähe der Wurmröhre setzen. Ansonsten setze sie lieber weiter weg.
Warum die Wurmröhre ein Klimaschutz-Held ist:
Im Gegensatz zur herkömmlichen Biotonne, die mit LKWs abgeholt werden muss, oder dem Grünschnitt, den man meist mit dem Auto zum Wertstoffhof fährt, findet hier regionale Kreislaufwirtschaft statt.
Die ökologischen Vorteile auf einen Blick:
Benzin sparen & Emissionen vermeiden: Bestenfalls kein Transportweg bedeutet null CO2-Ausstoß durch Fahrzeuge.
Schließen der Nährstoffkreisläufe: Die Ressourcen bleiben genau dort, wo sie gebraucht werden – in deinem Beet.
100 % CO2-neutraler Dünger: Du produzierst hochwertigen Wurmhumus ohne industriellen Energieaufwand oder Plastikverpackung. Bisher war Direkt-Kompostierung nur Gartenbesitzern vorbehalten. Aber mit Wurmröhren kann man das nun auch im Kleinen auf dem Balkon, in Trögen oder im Hoch- und Vertikalbeet.
Im Garten kompostiert man normalerweise mit einer Miete oder einem Thermokomposter, seltener wird das Konzept des Keyhole-Beets genutzt. Wer das nicht kennt: Das Keyholebeet ist meist ein rundes Hochbeet mit einem Zugang z.B. für die Schubkarre, und hat in der Mitte einen Kompost. Dieser düngt dauerhaft die umliegende Erde. Genau das kann man mit der Wurmröhre immitieren.
Die Wurmröhren kommen vorallem in Töpfen, Wannen, Hochbeeten oder Vertikalbeeten zum Einsatz. Denn hier ist das unterheben manchmal umständlich, erst recht bei permanenter Bewachsung (Permakultur). Leute, die "nur" einen Balkon, eine Terrasse oder einen Topf zur Verfügung haben, kann eine Wurmröhre eine Alternative zum Komposter oder Keyholebeet sein.
Diese Möglichkeit wird noch viel zu selten genutzt!
Ich wende übrigens noch zwei weitere Tricks an, wie man vor Ort kompostieren kann ohne Komposter. Das eignet sich wiederum nicht nur für den Garten, sondern auch für den Balkon.
Soll ich euch die Biomüll-Tricks zeigen?
Ja, interessiert mich
Habs nicht so mit Garten
Wurmröhre selbermachen - die Zero Waste Alternative fürs Beet
Eine Wurmröhre könnt ihr auch selbermachen.Bevor es zur Wurmröhre kam, habe ich sie mir aus einem Hasendraht selber gemacht. Den Hasendraht gibt es teilweise als Meterware im Baumarkt - sogar ohne Verpackung.
Dreht ihn euch zu einer Röhre und fixiert ihn an beiden Enden und in der Mitte mit einem Draht.
Das steckt ihr dann in die Erde. Teilweise wird die Erde auch wieder hineinfallen. Entweder stört euch das nicht oder ihr kleidet sie aus z.B. mit Schafwolle oder Hanfmatten. Oben drauf gebt ihr als Deckel entweder auch wieder Schafwolle, Hanfmatten, einen alten Teller oder Topfuntersetzer. Ansonsten buddeln euch die Vögel z.B. die Amseln die Wurmröhre zu und ihr Mäuse an.
Das ist auch der Grund, weshalb oft Draht genutzt wird, damit die Mäuse nicht von den Seiten reinkommen.
Was auch geht: Ein Loch graben und es mit einem Teller abdecken. Allerdings ist das Loch oft nicht stabil, besonders nicht bei Regen und fällt in sich zusammen. Oft reicht diese Methode aber aus.

Was macht man, wenn die Wurmröhre voll ist?
Ihr habt mehrere Möglichkeiten:
Eine Wurmröhre mit Boden bleibt so lange drin, bis sich Kompost gebildet hat.
Die Erde könnt ihr dann entnehmen und verteilen.
Oder ihr lasst die Wurmvase einfach drin und gebt immer wieder Gartenabfälle drauf. Das geht, weil die Erde ja absackt. So habt ihr an dieser Stelle Dauerdünger.
Eine Wurmröhre ohne Boden hat eine weitere Möglichkeit:
Wurmröhre herausziehen, das Kompostgut mit Erde abdecken und an einer anderen Stelle weiterverwenden. Das könnt ihr sogar gleich machen, auch wenn noch nicht alles verrottet ist. So könnt ihr schneller für Nährstoffe im Boden sorgen. Denn auch wenn eure Küchenabfälle noch nicht ganz verrottet sind, geben sie Nährstoffe an die umliegende Erde ab.
Wurmröhre wie Bokashi mit Pflanzenkohle nutzen
Theoretisch könnte ich die Wurmröhre auch wie einen Bokashi direkt im Beet verwenden.
Dazu gibt man nach einer ca 2cm dicken Lage Lebensmittelabfälle Pflanzenkohle darauf und presst alles z.B. mit einem Stück Holz oder einem Stein zusammen. Nun kann das Ganze fertig in der Erde fermentieren und sich zersetzen. Entweder lasst ihr dazu den Deckel drauf oder bedeckt alles mit einer mindestens 3cm Erde, lieber mehr oder noch etwas Mulch.
Alles gut anpressen oder festtreten und darauf noch ein Brett oder Steine legen, damit die Amseln beim Scharren nicht euren unterirdischen Kompost freilegen.
Daraus entsteht Terra Preta mit Wurmkompost kombiniert. Wichtig ist dabei, nur eine dünne Schicht Pflanzenkohle zu verwenden, denn Würmer mögen nicht zu viel Pflanzenkohle.
Die Pflanzenkohle kann sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen. Da Nährstoffe oft in Wasser gelöst sind, speichert sie auch Nährstoffe und bereichert das Bodenleben. Das ist auf die poröse Struktur der Pflanzenkohle zurückzuführen. Poröse Struktur bedeutet, dass sie aus vielen, kleine Hohlräume bestehen.
Pflanzenkohle ist generell ein spannendes Thema und eignet sich sogar zur CO2 - Speicherung. Soll ich noch mehr zum Thema Pflanzenkohle bringen? Sie wäre ein Gamechanger - nicht nur im Garten, sondern auch in der Landwirtschaft!
Stimmt ab!
Pflanzenkohle - mehr dazu?
Ja
nein
FAQs zur Wurmröhre
Sind Kompostwürmer überhaupt im Boden oder meinem Topf?
Im Garten kommen sie meist von alleine. In großen Trögen sind oft Wurmeier in der Erde enthalten. Falls nicht, habt ihr zwei Möglichkeiten: 1. Eine Schaufel Erde aus einem Komposthaufen dazugeben oder Kompostwürmer 2. Kompostwürmer kann man auch bestellen.
Muss ich meine Wurmröhre abdecken?
Klare Empfehlung! Ich würde es aus vier Gründen dazu raten: 1. Durch Wind, Wetter und Vögel wird eure Wurmröhre nicht zugeschüttet. 2. Der Deckel schützt vor Austrocknung. Kompostwürmer mögen feuchte Erde. 3. Schützt vor Mäusen und anderen Tieren, die in eurem Beet Schaden anrichten könnten und zieht sie nicht an. 4. Ihr könnt eine Abdeckung zur Insektentränke oder bei einem Garten als Trinkstelle für z.B. Igel oder Vögel umfunktionieren und so Tiere bei Hitze unterstützen.
Habt ihr noch Fragen dazu? Schreibt mir gerne in die Kommentare oder über Kontakt.
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Wenn Ihr noch mehr noch mehr zum zu einem klimafreundlichen Garten wissen wollt, dann schaut mal unter meinen Tipps zum Zero Waste Garten vorbei.
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