Erst die Mangfall, dann der nächste? Was zu tun ist, wenn ein Fluss trockenfällt
- Stefanie Kießling
- vor 2 Tagen
- 11 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Stunden
Die Mangfall ist am Sonntag, den 12.7.2026, in Willing partiell trockengefallen.
Dieses Bild zeigt die Mangfall auf ca. 11 Uhr vormittags auf Höhe des Williweihers unter der Autobrücke der Umgehungsstraße in Bad Aibling. Hier floss kein Wasser mehr.

Es gibt kleine Bäche und Gebirgsflüsse, die gelegentlich trockenfallen. Die Mangfall gehört allerdings nicht dazu.
Hintergrundinformationen zur Mangfall:
Die Mangfall schlängelt sich 58km als Abfluss des Tegernsees bis nach Rosenheim, wo sie im Inn mündet.
Ein Teil der Mangfall wird durch künstlich angelegte Kanäle abgeleitet. An ihnen liegen diverse Firmen und die Kanäle werden vor allem zur Nutzung der Wasserkraft (Energiegewinnung und -speicherung) genutzt.
In aller Munde war die Mangfall im Juni 2013 wegen des verheerenden Hochwassers, das alleine in Kolbermoor und Rosenheim 200 Millionen Euro Schaden hinterließ.
Für den Hochwasserschutz wurden deshalb bislang mehr als 150 Millionen Euro ausgegeben. Die Mangfall ist nun deutschlandweit ein Vorzeigeprojekt für Hochwasserschutz und Renaturierung.
Bedeutung der Mangfall: Die Menschen lieben sie!
Die Menschen, die an der Mangfall leben, schätzen und lieben sie seit der Renaturierung umso mehr. Klar, dass die Menschen empfindlich reagieren, wenn ihr kleines Paradies vor der Haustür Schaden nimmt.
So ging es auch mir. Bei der Radtour fiel meiner Familie und mir etwas seltsames auf: Die Mangfall in Götting/Bruckmühl, einige Kilometer flussaufwärts, hatte einen zwar sehr niedrigen Wasserstand, aber der passte zum Sommer, den Temperaturen und den eh schon geringen Niederschlägen.
Als wir auf die Willinger Fahrradbrücke (gehört zur Stadt Bad Aibling) ein paar Kilometer weiter auffuhren, war die erste Reaktion:
"Krass, wo ist plötzlich das Wasser hin?"
Es wurde aber noch schlimmer. Wir fuhren Richtung Unterheufeld flussaufwärts. Einige Meter nach der Fahrradbrücke führt die Umgehungsstraße über die Mangfall. Genau unter dieser Brücke blieben wir schockiert stehen:
Hier lief gar kein Wasser mehr, wie ihr im ersten Bild oben sehen konntet.
Ansonsten war sie ein Rinnsal. Gumpen waren abgetrennt, zwischendrin Pfützen.

Je weiter wir flussaufwärts fuhren, desto besser wurde der Wasserstand. Schon deutlich vor der nächsten Brücke bei Unterheufeld war der Wasserstand wieder normal - sehr niedrig zwar-, aber "normal" für die Wetterphänomene aktuell.
Am Abend gegen 17:30 radelte ich noch einmal an die Stelle, weil ich das weiter dokumentieren wollte, da es mir keine Ruhe ließ, dass das Trockenfallen so plötzlich und punktuell war. Das ist schon seltsam. Ich hatte einen Verdacht.
Um 17:30 Uhr war das Wasser wieder da. Sehr niedrig, aber es floss wieder.
Um 19:30 war der Pegel wieder wie oberhalb der Mangfall.
Zum Vergleich habe ich das erste Bild von gleicher Stelle noch einmal fotografiert.

Vor der Brücke hätte man wieder baden können:
Bei so einem plötzlichen, abschnittsweisen Trockenfallen handelt es sich fast immer um menschliche Eingriffe – wie z.B. illegale Stoßentnahmen oder auch technisches oder menschliches Versagen.
Ob mutwillig erfolgt oder nicht, oder fahrlässig muss herausgefunden werden.
Denn ein Trockenfall kann strafrechtliche Konsequenzen haben.
Es könnten z.B. folgende Paragrafen zutreffen:
Interessant ist hier vor allem, dass auch eine nachteilige Veränderung, sowie fahrlässige Handlung strafbar sein kann.
Die Frage ist: Können dem Fluss "nachteilige Eigenschaften" entstehen?
Was passiert, wenn ein Fluss trockenfällt?
Die unsichtbaren Folgen in nur wenigen Stunden:
🐟 Todesfalle: Fische und Amphibien ersticken in kurzer Zeit in den kleinen verbleibenden Pfützen, weil der Sauerstoff im sich schneller erwärmenden Wasser sofort verbraucht ist.
🦀 Verlust des Makrozoobenthos: Millionen Bachflohkrebse, Larven und Schnecken am Flussboden können nicht fliehen und vertrocknen qualvoll. Sie können ab jetzt als Nahrung für Vögel und Fische fehlen.
🦠 Biologische Reinigung kollabiert: Der wichtige Bakterienfilm auf den Steinen, der unser Wasser sauber hält, stirbt ab. Insofern war es sehr wichtig, dass Richtung abend das Wasser wieder da war.
Sofortmaßnahmen: Was kann man tun, wenn ein Fluss trockenfällt?
Diese Frage habe ich Dr. Tobias Hafner, Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim gestellt.
"Ein Anruf bei der Polizei ist nicht verkehrt!"
Ein Foto von der Situation schicken an das Wasserwirtschaftsamt
den Kraftwerksbetreiber kontaktieren, falls bekannt
Laut Wasserwirtschaftsamt Rosenheim (kurz WWA Ro) liegen der Polizei und der integrierten Leitstelle, die unter der 112 zu erreichen sind, ein Sondereinsatzplan vor. In dem sind die Kontaktdaten des Wasserwirtschaftsamtes hinterlegt. Hier auch noch einmal ein Link, wie man sich im Notfall z.B. bei einem akuten Fischsterben verhält.
Wer ist zuständig, wenn ein Fluss trockenfällt?
Hier ist das Wasserwirtschaftsamt zuständig. Derartige Informationen fließen in das Umweltmonitoring mit ein und dienen neben diversen Messstellen als Grundlage für zukünftige Entscheidungen.
Manche würden nun eine wöchentliche oder gar tägliche Überwachung durch Mitarbeiter vor Ort erwarten. Das verhält sich etwas anders.
Einerseits misst das WWA die Pegelstände und hat an den Pegelmessstellen auch Webcams.
Die Pegelstände sind übrigens auch für euch einsehbar und für Bayern beim Hochwassernachrichtendienst Bayern oder dem oder dem Niedrigwasserinformationsdienst zu finden. Im Gewässerkundlichen Dienst sind übrigens weitere Messdaten (Wassertemperatur, chemische Messgrößen…) frei zugänglich.Dadurch entgehen dem Wasserwirtschaftsamt also keine Daten.
Andererseits sind auch Unternehmen dafür zuständig, dass der Fluss nicht trockenfällt.
Der Gewässernutzer hat eine Verantwortung für das Gewässer. Die Nutzung wird nur genehmigt, wenn sie unschädlich ist bzw. Auswirkungen durch Auflagen in der wasserrechtlichen Genehmigung ausgeglichen werden können.
Haben sie einen Wasserrechtsbescheid, wie hier in der Region bekannt der Brucker Wehr Verband oder die Stadtwerke München, haben sie die Pflicht, den Wasserstand und das Restwasser selbstständig zu überwachen und anzupassen. Das Wasserwirtschaftsamt greift hier also nicht ein und ordnet ein Verbot oder eine Drosselung an. Vielmehr müssen diese Unternehmen selbstständig den Wasserstand überwachen und gegebenenfalls handeln.
Das Wasserwirtschaftsamt hat eben keine Anordnungsbefugnis. Das hat nur das Landratsamt. Das gibt auch die Wasserrechtsbescheide aus, sprich wer Wasser entnehmen darf. Hier geben die Wasserwirtschaftsämter aber den fachlichen Input. Bescheide werden in der Regel für 20 Jahre, höchstens 30 Jahre, erteilt, könnten aber theoretisch abgeändert oder gar widerrufen werden. Letzteres ist aber keine gängige Praxis.
Wodurch kann ein Fluss trockenfallen?
Höhere Gewalt z.B. im Wesentlichen durch geringe Niederschläge, extreme Hitze
Flüsse fallen natürlicherweise immer wieder trocken. Das sieht man häufig bei kleineren Bergbächen wie z.B. der Weißach oder Prien. Manche versickern auch,, wenn die Flusssohle nicht dicht ist oder der Zustrom völlig versiegt.
eine zu hohe Wasserentnahme
Wie wird denn Wasser aus Flüssen entnommen?
Wasser kann aufgestaut werden z.B. Wehre oder Stauseen, es kann über das Uferfiltrat entnommen werden, durch Rohre + Pumpen oder Saugschläuche.
Darf ein Fluss trockenfallen?
Ein Fluss darf nur trockenfallen, wenn es kein permanentes, wasserführendes Gewässer ist und keine höhere Gewalt im Spiel ist. Ansonsten nicht.
Die Wasserrahmenrichtline der EU, kurz WRRL, verlangt von allen Mitgliedstaaten ein
Verbesserungsgebot: Alle Gewässer müssen einen „guten ökologischen und chemischen Zustand“ erreichen.
Verschlechterungsverbot: Der aktuelle Zustand eines Gewässers darf sich unter keinen Umständen verschlechtern.
Hätte die Mangfall am 12.7.2026 trockenfallen dürfen?
Nein, die Mangfall hätte nicht trockenfallen dürfen.
Begründung:
Die Mangfall ist ein permanentes Gewässer, also kein Fluss, der natürlicherweise trockenfällt.
Zwar fiel sie schon mehrere Male an unterschiedlichen Stellen trocken, aber das hatte menschengemachte Gründe
Es war trocken und sie führte Niedrigwasser. Dies hätte aber kein Trockenfallen zur Folge gehabt ➡️keine höhere Gewalt
Sie fiel punktuell und zeitlich begrenzt plötzlich trocken, was ein Hinweis für den Eingriff des Menschen ist.
Hier ein Screenshot von der Internetseite des Hochwassernachrichtendienst Bayern.
Ihr könnt sehen, dass das Wasser gerade einmal 3 cm über dem Pegelnullpunkt lag und ab 16 Uhr wieder steigt. Wie sich herausstellte, wurden zu dem Zeitpunkt Schleusen geöffnet.
Dies legte den Verdacht nahe, dass hier zu viel Wasser entnommen worden ist. Dazu habe ich das zuständige Wasserwirtschaftsamt Rosenheim kontaktiert, den Vorfall gemeldet und ein Interview mit Behördenleiter Dr. Tobias Hafner geführt.
Was sind die Gründe dafür, dass die Mangfall trockenfiel?
Diese Frage brauchte ich gar nicht erst stellen. Von Anfang an war klar, dass hier kein natürliches Phänomen vorliegt. Dr. Hafner bestätigte, die Mangfall gehöre nicht zu den Flüssen, die regelmäßig von Natur aus trockenfallen würden. Es gäbe zwar Stellen an denen Wasser der Mangfall versickert, dies löse aber kein plötzliches Trockenfallen aus.
Fakt ist, der Mangfall wurde zu wenig Wasser zugeführt.
Wer ist dafür verantwortlich?
"Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht konkret sagen. Auslöser war sicher mit das geringe Wasserdargebot auf Grund der langen Trockenheit (s. dazu Lageberichte im NID). Ursache war am Sonntag die Steuerung der Wasserkraftanlage des Brucker Wehrverbandes in Zusammenspiel mit der Einleitung der Stadtwerke München (SWM). Wir setzen uns jetzt mit den Kraftwerksbetreibern zusammen, um derartige zukünftige Probleme zu verhindern", stellte der Behördenleiter in Aussicht. Er sieht im Zusammenspiel der Kraftwerke die Ursache für den Trockenfall der Mangfall und räumt ein, dass hier Optimierungsbedarf besteht. Gerade in Zeiten mit Niedrigwasser sei die Steuerung der Anlagen nicht einfach. Das müsse verbessert und die Kraftwerksbetreiber sensibilisiert werden.
Wenn man bei einem niedrigen Pegelstand Wasser entnimmt, sei die Gefahr generell auch größer, dass die Mangfall trockenfällt. Auch die Regulierung des Strommarktes, wenn plötzlich viel Solarstrom ins Netz gespeist wird, könne Kraftwerksbetreiber vor neue Herausforderungen stellen. "Ich gehe nicht von einer mutwilligen Wasserentnahme aus", stellte Dr. Hafner klar.
Ist es in Zukünft überhaupt möglich, ein Trockenfallen der Mangfall zu verhindern, wenn Niedrigwasser eine so große Herausforderung darstellt?
"Ja, das ist möglich", meinte Dr. Hafner zuversichtlich. "Wir setzen uns deshalb ja mit den Kraftwerksbetreibern zusammen."
Die Mangfall fiel für mehrere Stunden trocken, bis reagiert wurde. Reichlich spät, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Kraftwerksbetreiber verantwortlich für einen ausreichenden Restwasserstand sind und den selbständig regulieren sollen.
Hier hätte umgehend reagiert werden müssen. Wie will man das zukünftig verhindern?
Dr. Tobias Hafner: "Wir müssen natürlich erst einmal herausfinden, wo die genaue Ursache liegt. Aber ich könnte mir hier eine automatisierte Aufschaltung oder Warnung über unsere Pegel vorstellen. Zur Information für Bürger, die Hochwassernachrichtenzentralen bieten auch für den Bürger eine App „Meine Pegel“ an, bei welcher man sich individuelle Push-Nachrichten von den Pegeln des Wasserwirtschaftsamts einrichten kann."
Wenn man diesen Vorfall anzeigen möchte, wer ist der richtige Ansprechpartner?
"Die Polizei nimmt die Anzeigen entgegen. Aber ich weiß nicht, ob eine Anzeige in diesem Fall zielführend ist", gab der Behördenleiter zu bedenken.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass die Mangfall trockenfällt. Würde eine Anzeige nicht den Druck erhöhen, dass sauber gearbeitet wird?
Hier war sich Dr. Hafner nicht sicher. Wenn sich bei ein und derselben Anlage Häufungen ergeben, erhöht dies sicher den Druck. Diese Ausprägung hatten wir allerdings in diesem Abschnitt meines Wissens das erste Mal. Das Wasserwirtschaftsamt setze auf fachliche Aufarbeitung, Beratung und Optimierung für die Zukunft. "Die bisherigen Gespräche waren entsprechend konstruktiv. Es wurde schon unmittelbar manuell nachreguliert vor Ort, wie man an den Pegeln sieht", so Dr. Hafner weiter.
Dr. Hafner, vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview!
Meine Einordnung dazu:
Das Wasserwirtschaftsamt hat vorallem die Aufgabe, zu beraten, zu kontrollieren und führt an den Anlagen stichprobenartig oder anlassbezogen die technische Gewässeraufsicht durch. Es ist interessiert daran, dass man ein gutes, fachliches Verhältnis auf Augenhöhe für Gespräche zu den Kraftwerksbetreibern hat. Auch ist das WWA in den Wasserrechtsverfahren eingebunden und lässt hier fachliche Auflagen, Bedingungen wie z.B. die Festlegung von Mindestwasser oder Entnahmemengen mit einfließen.
Das ist ihre Aufgabe.
Ich habe in den Kommentaren und Privatnachrichten von Instagram und Facebook mitbekommen, dass sich viele Konsequenzen gewünscht hätten und das Gefühl haben, es ändert sich eh nichts, es passiert nichts, es kommt immer wieder vor und das Wasserwirtschaftsamt tut nichts.
In der Vergangenheit kam es vor, dass die Mangfall trockenfiel. 2018 hatte das Konsequenzen, als ein Kraftwerksbetreiber verurteilt wurde, nachdem er ein Fischsterben auslöste. (Quelle: Merkur)
Wichtig zu wissen ist: Folgendes sind nicht die Aufgaben vom WWA!
Das Wasserwirtschaftsamt darf keine Anweisungen geben! Das macht das Landratsamt. Das Wasserwirtschaftsamt wird auch keine Strafen verhängen. Bei Ordnungswidrigkeiten ist das Landratsamt zuständig, bei Straftaten werden die Strafen durch ein Gericht festgelegt.
Das Wasserwirtschaftsamt ist hier für die fachlichen Lösungen zuständig.
Natürlich könnte man fragen:
Hitzeperioden und Niedrigwasser gibt es mit den aktuellen Klimaprognosen ja auf Ansage - seit Jahren. Kann man sich darauf nicht einstellen und Strategien entwickeln?
Ich habe die Frage auch gestellt und man zeigte sich "zerknirscht". Auch bringe die Frage nicht weiter. Man müsse jetzt Lösungen finden.
Und doch bringt die Frage weiter. Sie beinhaltet Kritik. Sie zeigt, wir müssen ein Augenmerk auf zukünftige Klimaprobleme legen. Wir müssen vorausschauend arbeiten und nicht nur reagieren. Zukünftige Wetterextreme müssen Teil der Lösungen und Strategien sein zum Schutz der Flüsse und unserer Lebensgrundlagen.
Als Rückmeldung habe ich übrigens am gleichen Tag noch bekommen, dass schon konstruktive Gespräche stattgefunden haben, dass in der nicht alltäglichen Niedrigwassersituation sensibel reagiert wird und auch neue Betriebserfahrungen gemacht wurden.
In der Situation der Kraftwerksbetreiber, die das Trockenfallen verschuldet haben, möchte momentan niemand sein: Stellt euch vor, ihr habt einen Fehler gemacht und dann tritt auch noch der Worst Case ein: Der Fluss fällt trocken. Und dann merkt ihr das für ein paar Stunden nicht einmal. Aber viele andere Menschen. Plötzlich steht man im Fokus der Öffentlichkeit. Für einen Fehler, den man vermeiden wollte. Dafür ist man nun verantwortlich. Viele Leute sind sauer - auch noch zu Recht. Vielleicht ist man sogar auch auf sich selber und die Umstände sauer. Möglicherweise muss man sogar mit Geldstrafen rechnen. Doofe Situation im öffentlichen Auge. Menschlich kann man das auch verstehen.
Aber sehen wir uns auch die Seite der Natur an.
Wer tritt für Mensch, Tier oder allgemein die Natur ein?
Die Natur selbst kann nicht vor Gericht ziehen.
In Deutschland zumindest.
Anders ist es in Neuseeland. Da könnte z.B. der Fluss Whanganui klagen, weil er dort die gleichen Rechte wie eine Person hat. Wenn man ihm Schaden zufügt, bekommt er einen Anwalt und hat ein Klagerecht. Im juristischen Sinn klagt da nicht mehr der Staat, Einzelpersonen oder Umweltorganisationen, sondern der Fluss selber. Bekommt er Recht und eine finanzielle Entschädigung zugesprochen, fließt das Geld zum Beispiel in den Gewässerschutz oder die Renaturierung.
Dieses Prinzip gibt es in Deutschland nicht.
Hier kann man dem Fluss Schaden zufügen ohne größere Konsequenzen, wenn keiner klagt. Egal ob mutwillig oder fahrlässig. Der Schaden ist da.
Wichtig war, dass der Betrieb läuft. Man verlor den Fokus auf den Fluss.
Der Hauptfokus darf nicht nur auf wirtschaftlichen Interessen liegen, sondern gleichermaßen oder sogar mehr auf dem Gewässerschutz, der uns allen zu Gute kommt.
Wasser wird ein strukturelles und politisches Hauptthema werden, da es unsere Lebensgrundlage darstellt. Laut Prognosen können Extremwetterlagen häufiger sein. Wir werden uns alle anpassen müssen: Wassersparen, Schwammstädte, Hitzekonzepte, Konsum etc.
Vielleicht auch interessant:

Regenwasser sammeln:
Nachhaltige Ideen, um Regenwasser aufzufangen
für Zuhause z.B. Gartenmöbel als Wasserspeicher oder Ollas
für Gemeinden
kleine, große & kreative Lösungen wie Waschmaschine mit Regenwasser betreiben Mehr erfahren
Hier werde ich zeitnah auch weitere eurer Fragen aufnehmen. Eure Fragen oder auch Gedanken könnt ihr gerne in die Kommentare schreiben oder per Direktnachricht.
FAQ zum Trockenfallen der Mangfall:
Hat das Wasserwirtschaftsamt keinen Notdienst?
Dazu gab mir Behördenleiter des WWA, Dr. Tobias Hafner, folgende Auskunft:
Das Wasserwirtschaftsamt hat bei der integrierten Leitstelle, die unter der 112 zu erreichen ist, einen Sondereinsatzplan hinterlegt. Hier sind Handynummern vom WWA-Team aufgelistet. Diese Mitarbeiter* haben zwar keine Rufbereitschaft, sind aber theoretisch erreichbar. Bei (drohenden) Hochwasserlagenist das WWA auch rund um die Uhr besetzt. Desweitern stehen immer 2 Personen zur Verfügung, welche auch über das Wochenende den Hochwassernachrichtendienst betreiben.
Die Polizei hat meine Anzeige nicht aufnehmen wollen. Was soll ich tun?
Geht es um eine potentielle Straftat, muss die Polizei die Anzeige nach dem sogenannten Legalitätsprinzip aufnehmen. Beschwerden sind an die vorgesetzte Stelle möglich (Dienststellenleitung, Präsidium). Noch einfacher geht es über das Online - Kontaktportal für Beschwerden der Polizei: https://kontakte.polizei.bayern.de/beschwerde/index.html.
Die Polizei sagt, sie könne nichts machen.
Auch wenn sie akut nichts unternehmen könnte, wenn sie die Behörden nicht erreicht, so kann sie zumindest im Falle von Straftaten die Anzeige oder auch nur die Aussage als Aktenvermerk aufnehmen und zu einem späteren Zeitpunkt Kontakt zu den Behörden aufnehmen. Dies macht natürlich nur Sinn, wenn der Fluss/der Bach nicht von Natur aus immer wieder trockenfällt. Das wäre gut, sich im Vorhinein zu informieren, wenn man es nicht eh schon weiß. Die Mangfall fällt i.d.R. nicht von Natur aus trocken.
Ist es möglich, den entstandenen Schaden einzuordnen z.B. bezüglich Fische?
Das Wasserwirtschaftsamt gab an, dass bislang kein Schaden an Fischen bekannt sei. Fischnährtiere im Lückensystem seien wahrscheinlich mit Wasser benetzt gewesen, da das Wasser noch rechtzeitig wieder zurückkam, vermutet Dr. Hafner vom WWA.
Wie oft fiel die Mangfall schon trocken? Gibt es da eine Auflistung?
Eine Auflistung ist nicht einmal dem Wasserwirtschaftsamt bekannt. Folgende Infos kann das WWA geben:
2014 im Bereich Thalham: Ursache war wahrscheinlich eine undichte Sohle durch das Hochwasser-Ereignis 2013
2018 Trockenfallen „Alte Mangfall“ im Bereich Müller am Baum wegen eines Schadens im Triebwerkskanal
August 2022: Strecke ab Weidenauer Wehr wegen der Sicherstellung des Abfluss KA Schlierachtal zum Seehamer See bei extremem Niedrigwasser
Vor 1996 gab es in Bad Aibling regelmäßig Situationen, bei der die Mangfall – so wie jetzt – komplett trockengefallen ist. Das ist in den Pegelaufzeichnungen dokumentiert. 1996 wurde mit der Einführung der "Novellierung der Restwasserregelung" ein sehr wichtiges Ziel erreicht: ein verbindliches Restwasser. Die ökologische Funktion der Mangfall wurde damals massiv verbessert. In diesen 30 Jahren kam es am 12.7. erstmals zu Problemen mit der Wasserführung in diesem Ausmaß.
Hat Euch der Artikel gefallen, dann teilt ihn gerne, denn sharing is caring.
zurück zum Zero Waste Blog


