Ollas Teil 1: Nachhaltig gießen & Wasser sparen
- Kieselstein (Stefanie Kießling)

- 2. März 2023
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Apr.
- Zero Waste Garten: Die Bewässerung der Inkas neu entdeckt -
Wie es 2019 zu der Idee mit den Ollas kam.
Wir wollten uns zum Teil selbstversorgen...
Einige hatten es bei beginn des Zero Waste Projekts mitbekommen, dass wir unseren kleinen Garten samt Balkon auch dafür nutzen, uns eigenes Gemüse und Obst zu ziehen. Natürlich reicht das bei einem 100 Quadratmeter Garten nicht für die Selbstversorgung, aber es leistet einen kleinen Beitrag, damit man sich leichter Bioprodukte leisten kann. Außerdem leistet es einen kleinen Beitrag für die Artenvielfalt bei, da wir auf samenfeste, regionale und teilweise auch auf alte Sorten setzen. Nebenbei ist das Ganze auch noch unverpackt und regional. Es wurde auch nicht mit dem Auto oder LKW, einem der größten "Mikroplastiklieferaten" transportiert. Desweiteren kann man auch zur Kühlung im Sommer auf Balkonen oder im Garten beitragen, indem man beschattende Sorten setzt, wie Wein, Efeu, Obstbäume auf schwachwüchsigen Unterlagen im kleinen Garten, Säulenobst sogar im Topf, hochwachsende Brombeeren, sowie große Tomatensorten, Kiwis oder Hopfen auf dem Balkon oder der Terrasse. Trotzdem soll das Gärtnern noch Spaß machen und nicht in Arbeit ausarten, die dann noch belastet.
...aber das Gießen nahm viel Zeit in Anspruch Das Gießen war schon so eine Sache. Teuer kam es eigentlich nicht, weil bis 2016 noch die Zisterne mit dem Regenwasser ausgereicht hat. Mit den folgenden trockenen Sommern, die sich laut Prognosen alle fünf Jahre häufen sollen und generell wärmer werden, ist das Gießen schon eine tägliche Zusatzaufgabe. Das musste doch besser gehen:
Was wir eh schon machten, um Wasser zu sparen: den Boden mulchen:
Der Boden wird mit Wiese gemulcht, da wir versuchen den Garten im Hortusprinzip zu gestalten, so dass ein naturnaher Kreislauf entstehen kann. Mittlerweile sind wir mit Mulchwürsten sehr zufrieden, da man sie leicht anheben und darunter die Schnecken absammeln kann. Bei normalen Mulch, der nicht geflochten ist, geht das nicht flächendeckend und oder nur mit extrem viel Aufwand.
Für einige Pflanzen wie Gurken reicht mulchen nicht aus.
Deshalb recherchierte ich, wie man früher bewässert hatte. Wie machten das die Super-Gärtner Inkas? Die hatten ja auch keine Gartenschläuche.
Wir gärtnern jetzt wie die Inkas: Mit Ollas
Die Inkas nutzen Ollas und die nutzen wir seit 2019 nun auch. Unsere ersten selbstgemachten Exemplare sahen so aus:

Was sind eigentlich Ollas?
Ollas werden übrigens "Ojas" ausgesprochen. Sie bestehen aus porösen Ton, der nicht glasiert ist und bei relativ niedriger (ca. 8-9000 Grad Celsius) Temperatur gebrannt wurde.
So funktionieren Ollas:
Die Gefäße werden ins Beet eingegraben.

Der Hals der Olla sollte ca. 2 cm hinausschauen. Dann kann man nämlich noch zusätzlich mulchen
Danach füllt man die Ollas mit Wasser voll - besten natürlich mit Regenwasser.

Jetzt gibt der Tontopf durch das Prinzip der Osmose Wasser an die Umgebung ab.
Wie gibt die Olla Wasser an ihre Umgebung ab?
Eine Olla gibt besonders viel Wasser ab, wenn die Umgebung trocken ist. Der Grund: die Wasserkonzentration ist im Topf (sofern er gefüllt ist) höher, so dass aufgrund dieses physikalischen Prinzips nach und nach Wasser durch die Wand des Tontopfs an die Erde abgegeben wird. Das Wasser gelangt so direkt dort hin, wo es gebraucht wir: An die Wurzeln der Pflanzen.
Deshalb ist es auch so wichtig, dass der Topf nicht glasiert oder hoch gebrannt ist. Eine Glasur und ein Brand bei hohen Temperaturen verhindert, dass Wasser durchsickern kann. Man spricht von einem porösen Tontopf.
Problem: 2018 gab es Ollas nur in Frankreich zu kaufen
Leider habe ich die Tongefäße, als ich mir 2018 dazu Gedanken gemacht hatte, nur in Frankreich gefunden. Da ich es regionaler wollte, musste meine arme Schwester dran glauben. Sie ist nämlich Töpferin und meine fixen Ideen gewöhnt.
Ersteinmal musste ich ihr zeigen, wie das Prinzip funktioniert und danach war sie überzeugt.
Denn selbermachen klappte nicht so einfach:
Warum sich nicht jeder Tontopf als Olla eignet.
Nicht alle Tontöpfe sind porös. Man kann also nicht jeden x-beliebigen Keramikübertopf als Ollas verwenden. Winterharte Keramiktöpfe sind sehr hoch gebrannt. Dadurch sind weniger Hohlräume im Ton enthalten. Diese braucht man aber, denn diese befüllen sich ja mit Wasser.
Startschuss: Meine Schwester töpfert Ollas
Gottseidank hatte ich ja meine Schwester, die Töpferin, mit im Boot. Wir haben viele Versuche zu unterschiedlichen Tonarten und Brandtechniken ausprobiert bis wir die richtige fanden.
Meine Schwester setzte auch gleich praktische Überlegungen um.
Was bei einer Öffnung der Olla zu beachten ist
Die Öffnung sollte nicht nur mit einem Schlauch, sondern auch leicht mit einer Gießkanne zu befüllen sein - ohne dass die Hälfte des Wassers daneben geht. Hat man einen großen Garten, keinen Außenwasserhahn oder ist einfach auf freiem Feld, kommt vorallem die Gießkanne zum Einsatz.
Deshalb haben wir die Öffnung größer gestaltet als traditionellen Ollas und bei denen, die aktuell auf dem Markt sind.
Nachteil: Das bedeutet mehr Verdunstung und Insekten werden auf der Suche nach Wasser darin unweigerlich ertrinken. Auch die Amseln würden den Mulch bei der Suche nach Regenwürmern sicherlich hineinschleudern, so dass bald eine stinkende Brühe entstehen würde.
Lösung: es musste ein Deckel her.

Deckel für die Ollas sind gleichzeitig eine Insektentränke
Der Deckel ist dicht gebrannt bei hohen Temperaturen und zusätzlich glasiert. Dadurch lässt er kein Wasser durch. Das soll auch so sein. Denn er wurde so konzipiert, dass er eine kleine Insekten- oder Tiertränke sein kann. Es wird sich also im Deckel Regenwasser sammeln, da er wasserdicht ist. Gibt man Steine, Moos oder Äste hinein, ist das Wasser für Insekten gut aufnehmbar. Einige Insekten haben einen Lebensraum im Radius von nur 200m und da sind diese kleinen Wasserstellen goldwert.
Der Boden der Olla ist nicht mehr rund, sondern gerade. Damit kann man Ollas lagern
Die gängigen Ollas sind unten rund. Das ist unpraktisch, weil man sie im Winter frostsicher lagern muss, zumindest hier an den Alpen. Da die Ollas ja porös sein sollen, also Wasser aufnehmen, würde es bei Frost, wenn das Wasser zu Eis wird und sich ausdehnt, das Gefäß kaputt sprengen. Eine Olla mit einem geraden Boden kann ich platzsparend ins Regal stellen, wie ein Vase, eine Olla mit runden Boden würde da umfallen und muss gut verpackt werden, damit sie bei der Lagerung nicht zu Bruch geht.
Praxistest: Funktioneren Ollas?
Weniger Arbeit
Einstweilen funktioniert das ganz gut. Die Wurzeln wachsen in Richtung Olla, wo sie ja mit Wasser versorgt werden. In Kombination mit einer dicken Mulchschicht muss man weniger bis sehr wenig gießen. Die Olla versorgt die Pflanzen direkt bei den Wurzeln mit Wasser. Ob man komplett auf das Gießen verzichten kann, hängt von der Temperatur, den Niederschlägen, der Anzahl und Größe der Ollas, dem Wasserbedarf der Pflanzen und der Dicke der Mulchschicht ab. Aktuell muss ich aber weniger gießen, was mir Zeit und Arbeit erspart. Generell bin ich eine Kandidatin dafür, zu wenig zu gießen.
Aber mein Credo ist: Meine Pflanzen sind nicht vertrocknet, sie wachsen nur knusprig . 😀
Mit der Olla sind meine Pflanzen besser versorgt als mit meinen nachlässigen Wassergaben.

Es vertrocknet weniger, Pflanzen gedeihen besser.
Dass nichts vertrocknet ist, ist ungewöhnlich in meinem Gemüsebeet. Diesen Umstand schreibe ich der Olla zu.
Für wen eine Olla interessant ist:
Für Leute, die Wasser sparen wollen
ihren Garten nicht vor Ort haben
wenig Arbeit haben wollen
für Gartenprojekte in Schulen, Kindergärten oder Initiativen während des Wochenendes oder Feiertagen
für Leute, die häufiger ein paar Tage auf Geschäftsreise sind
Menschen, die ihren Garten an den Klimawandel anpassen wollen
Ich werde weiterhin testen. Die Inkas wussten schon, wie man praktisch gärtnert!
Update 2019:
Mittlerweile habe ich übrigens gesehen, dass in Deutschland online seit ein paar Wochen auch Ollas verkauft werden, allerdings mit einem Plastikdeckel ohne Insektentränke und mit runden Boden. Aber immerhin.
Vorsicht bei selbstgemachten Ollas!
Was funktioniert, sind diese rotbraunen Tontöpfe mit Loch, die es in jedem Baumarkt gibt.
Nachdem der Ollas - Beitrag damals auf dem alten Blog durch die Decke ging, kamen ein paar DIY Anleitungen ins Netz. Sie zeigten, wie man Tontöpfe indem man sie aufeinanderstellt und mit eine Stein unten abdichtet, kostengünstig als Olla umfunktionieren kann. Allerdings mit Hilfe von Silikonen.
Der Plastik-Falle entkommen: Warum kein Silikon?
Deren Bausteine Siloxane galten laut österreichischen Umweltbundesamt lange Zeit als unbedenklich,
"allerdings gibt es Hinweise auf gefährliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt. (...) Für den Menschen galten diese Substanzen lange als toxikologisch unbedenklich, allerdings lässt sich das nicht mehr uneingeschränkt behaupten: Es gibt nur einige Siloxane, für die es durch Tierversuche (an Ratten) Informationen zu Gesundheitseffekten gibt; es sind daher nicht genügend Daten vorhanden, um allgemein gültige Aussagen treffen zu können. (...) Auch die Daten zur Umwelt-Gefährdung durch Siloxane sind spärlich und beruhen teilweise nur auf Modellen. Dadurch ist die Abschätzung möglicher Gefahren für die Umwelt schwierig. Es ist aber davon auszugehen, dass insbesondere die zyklischen Siloxane besonders langlebig sind, was ihnen die Möglichkeit gibt, auch weite Strecken zu überwinden. Außerdem können sie sich in biologischem Gewebe anhäufen, was beispielsweise beim Kabeljau bereits nachgewiesen wurde. " (Quelle: https://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/schadstoff/silox/)
Einige Siloxane stuft die EU als fruchtschädigend, krebserregend und gefährlich ein, bei anderen fehlen die Untersuchungen dazu. Grundsätzlich möchte ich diese nicht in der Erde haben, da sie nicht abgebaut werden und wir können sie auch aktuell nicht herausfiltern. Dass Pflanzen und Bäume Mikroplastik essen und sie dadurch ein toller Filter sind, ist ein Irrglaube. Mikroplastik wird durch die Pflanzen nicht abgebaut, sondern nur aufgenommen und kann der Pflanze schaden. Wenn die Pflanze nicht verbrannt wird, bleibt das Mikroplastik weiterhin in der Umwelt. (Den genauen Mechanismus habe ich hier erklärt)
Nanoplastik kann von den Pflanzen auch in die essbaren Teile eingebaut werden und landet dann wohlmöglich noch in meinem Essen. Oder im Körper.
Ab 1 Mikrometer ist es möglich, dass Nanoplastik nicht nur ausgeschieden, sondern auch in die Zellen eingebaut wird und dort Entzündungen verursacht. (Quelle: Werner Kloas et al.) Update 2021: Und weil ich immer noch jede Woche Mails zum Kontakt zu meiner Schwester, schaut unter Online einkaufen vorbei. Dort habe ich unter der Rubrik Garten auch die Töpferei Landgraf von meiner Schwester verlinkt. Sie hat die Ollas mittlerweile ins Sortiment aufgenommen, weil ihr das offensichtlich so wolltet. ❤ Sie produziert sie übrigens auch mit eigenem Solarstrom vom Dach und betreibt ihre Werkstatt mit aufbereitetem Regenwasser. Bei mir könnt ihr sie nicht kaufen. Auf meinem Blog bekommt ihr nur Zero Waste Ideen :).
Update 2026: Ollas sind fester Bestandteil meines Gartens
Zum Thema Ollas gibt es mittlerweile zwei weitere Artikel

OLLAS - Teil 2
- kleine Ollas für Töpfe und Balkonkästen, Erdspieß-Ollas im Vergleich, geht Düngen mit Ollas? uvm -

Ollas Teil 3 - Der Deckel
- oder warum man sie verschließen sollte -
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