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Bienenwachstuch selbermachen - Anleitung

Autorenbild: Kieselstein (Stefanie Kießling)
Kieselstein (Stefanie Kießling)
13. Apr. 2023
9 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Okt.

Bienenwachs statt Frischhaltefolie - die Zero Waste Alternative

Kastenbrot mit Kürbiskernen oben darauf auf einem Holzbrett. Daneben gelber Bienenwachstücher mit Blumenmotiv (vermutlich Malve und Alant)

2015

Bienenwachstücher als Alternative für Frischhaltefolie - eignen sie sich?

Unser Langzeitfazit von mehr als 10 Jahren Nutzung: ja.

Bei diesem Thema waren sich mein Mann und ich uns anfangs nicht ganz einig:

Braucht man das Bienenwachstücher wirklich?

Ich sagte "nein", die bessere Hälfte findet sie nicht unpraktisch.

Wenn der Papa unserer Familie dieses Bee`s Wrap nicht in der Plastikfreien Zone 2015!!! in München gesehen und ausprobieren hätte wollen, dann würden wir wohl immer noch statt Frischhaltefolie einfach eine Schüssel mit Deckel benutzen. Ist auch eine Alternative.

Wenn eine Schüssel

Weißer Unterteller mit einer halben Zitronen darauf. Die Zitrone liegt auf der angeschnittenen Seite auf dem Teller. Darüber ist eine Glasschüssel gestülpt

keinen passenden Deckel hätte, wäre ein Teller drauf gekommen. Oder umgekehrt: auf einen Teller hätten wir eine Schüssel gestülpt, wie das Bild zeigt.

Geht alles. Ich persönlich mag es auch so am liebsten, weil es multifunktional und einfach ist. Ein Teller kann in die Spülmaschine, ein Bienenwachstuch nicht. Wegen mir wäre das Bienenwachstuch nicht ins Haus gekommen.

Aber ich gebe meinem Mann recht, das Bienenwachstuch riecht gut und rutscht nicht (theoretisch) wie ein Teller von der Schüssel, wenn man im Kühlschrank kramt - was im ungünstigsten Fall Scherben & Müll bedeuten würde. Aber wann tritt der Fall schon ein? Vielleicht hat die "Vorsicht" auch etwas mit dem Abschied vom alten verschwenderischen Leben zu tun, bei der die Frischhaltefolie Inbegriff der Hygiene war. Allerdings schwört der Papa unserer Familie darauf, dass sich Zwiebeln und anderes angeschnittenes Gemüse besser halten, wenn es ohne Luftzwischenraum, wie es ja logischerweise bei einer Schüssel der Fall ist, gelagert wird. Das ginge mit dem Bee's Wrap. Ich bevorzuge lieber ein kleines Glas mit Schraubdeckel.

Mann beißt in ein Bienenwachstuch. Anleitung Bienenwachstuch selber machen. Zero Waste Familie.

Bienenwachstuch sind perfekt zum Mitnehmen von Wraps:

Das Wachstuch ist sehr praktisch, wenn man Wraps z.B. in die Arbeit als Mittagessen mitnimmt, also gefüllte, herzhafte Pfannkuchen oder Enchiladas. Wraps sind ein prima Gericht zur Resteverwertung, weil man wirklich alles hineintun kann. Sogar fruchtig mit Quark/Tofu, herzhaft warm oder kalt schmecken sie klasse. So eignen sie sich hervorragend zum mitnehmen ins Büro. Nur das Kleckern ist doof, wenn die Wraps sich auseinanderfalten. Mit einem Wachstuch passiert das nicht mehr. Eingewickelt in das Bienenwachstuch rollt nichts auseinander und rutscht heraus, und wenn man sie so isst, wie eine Banane mit Schale, dann kleckert man auch nicht.

Ok, dafür überzeugt es mich.

Wie kann man Bienenwachstücher wiederverwenden?

Die Bienenwachstücher muss man nach Gebrauch nicht wegwerfen, sondern kann sie feucht (lauwarm) abwischen. Nutzt nicht zu heißes Wasser, denn bei 60 Grad schmilzt Bienenwachs.

Wie benutzt man Bienenwachstücher?

Es gibt die Wachstücher in verschiedenen Größen. Durch die Körperwärme wird das Tuch elastisch und so schmiegt es sich an den Gegenstand an, ähnlich wie die Frischhaltefolie. Allerdings sollte es nicht heiß abgewaschen werden, denn sonst löst sich die abwischbare Wachsschicht. Bienenwachs hat den Schmelzpunkt bei ca 60 Grad. Das bedeutet, es ist definitiv nicht für Fleisch und Wurst geeignet. Damit wären Fleischesser wieder bei einem Behälter mit Deckel oder Teller.

Kann das Bienenwachstuch kaputt gehen?

Das Bienenwachstuch ist sehr robust. Meistens löst sich eher die Wachsschicht ab, als dass das Tuch reißt. Wird die Wachsschicht einmal porös, kann man sie in den Ofen bei 90 Grad schmelzen oder zwischen zwei kompostierbaren Backpapierstücke legen und mit dem Bügeleisen drüber fahren. Dann verteilt sich das Wachs wieder. Ihr könnt auch neues Bienenwachs mit hinzugeben, wenn ihr das Gefühl habt, dass schon einiges an Wachs abgetragen wurde.


So entstand 2015 die Anleitung für Bienenwachstücher

Gelbe Bienenwachsstücken (ca. 0,5cm groß) verteilt auf einem weißen Baumwolltuch

Damals gab es nur zwei Zero Waste Blogs im deutschsprachigem Raum und eine handvoll weltweit. Das Bienenwachstuch bekam man ausschließich in der Plastikfreien Zone. Nicht im Internet oder in einem Laden. Als wir das Tuch entdeckten hatte es einen stolzen Preis und so machte ich mich daran, es selber auszuprobieren. Diese Anleitung war auf meinem alten Blog der Renner und wurde vielfach probiert, geteilt und abgeschrieben. Heutzutage kennen die meisten Bienenwachstücher und es gibt sie standardmäßig in Unverpackt-Läden zu kaufen.

Zum Herstellen der Bienenwachstücher kann man Stoffreste wiederverwenden (Reusing, eine Säule von Zero Waste).

Wo bekommt man Bienenwachs her?

Das Bienenwachs bekommt man bei Imkern oder beim Imkereibedarf. (Achtet dabei aber auf nachhaltige bzw. biozertifizierte Produkte!) Mittlerweile auch im Internet. Hat man Reste von Bienenwachskerzen, kann man diese klein reiben und auf ein ausgedientes Stück Baumwollstoff geben. Bei uns war es ein heiler Teil eines Bettlakens aus Naturfasern.


Die ersten Versuche:

Bügeleisen auf einem Bienenwachstuch, dazwischen ein Backpapier

Unter und über das Stück Stoff legten wir kompostierbares Backpapier aus. Als Unterlage wählten wir ein Holzschneidebrett. Von dem konnten wir hinterher mit einem Messer auch einen abgekühlten Tropfen Wachs leicht abkratzen (was normalerweise unnötig ist, wenn man das Backpapier ausreichend groß wählt bzw. schaut, dass es nicht verrutscht; normalerweise😀) Dann stellten wir das Bügeleisen auf Baumwollstufe ein und nachdem es die gewünschte Hitze erreicht hatte, bügelten wir gründlich über den Stoff. Das Wachs schmilzt innerhalb weniger Sekunden und der Stoff ist glatt. Wartet einen Moment ab, bis es leicht angetrocknet ist, bevor ihr das Backpapier abzieht. Nach wenigen Minuten ist es wieder auf Zimmertemperatur und man kann es benutzen.

Drei Bienenwachstücher in gelb mit Blumenmotiv darauf. Sieht fast aus wie eine Gemälde.

Allerdings waren wir nicht vollständig zufrieden. Das gekaufte Bienenwachstuch war elastischer.

Ein Blick auf die Inhaltsangaben gab Aufschluss: Jojobaöl.

Also tropften wir über das Tuch auf eine Seite Jojobaöl, etwa alle vier Zentimeter einen Tropfen. Das Öl gibt es in der Flasche, allerdings mit PE - Plastikdeckel, der aber vielleicht downgecycelt wird. In Mehrwegflaschen etc., haben wir es noch nie gesehen. Edit November 2016: wir haben nun auch mehrmals Pflanzenöl (Raps- und Sonnenblumenöl) aus der Küche verwendet. Geht auch und ist wohl die bessere und regionalere Alternative. Außerdem ist Jojobaöl ja nicht für Essen geeignet und könnte aufs Lebensmittel übergehen. Noch ein Grund mehr für die regionalen Alternativen. September 2019: Und wenn man das Öl mal vergessen hat, dann kann man auch hinterher sehr, sehr wenig auf das Bienenwachstuch geben. Es wird dadurch geschmeidiger. Es funktionieren beide Varianten. Wieder bügelten wir mit dem Backpapier unter und über dem Tuch drüber. Als es angetrocknet war, wendeten wir es und die andere Seite bekam die gleiche Prozedur.

Nun ist das Bienenwachstuch sehr elastisch und wir sind zufrieden.


Die Backofenmethode funktioniert schlechter als die Bügelmethode

Ich habe auch eine Variante im Backofen ausprobiert. Die mag ich nicht so sehr, weil die Bienenwachsbeschichtung eher ungleichmäßig werden kann. Dann muss man wieder hinterherbügeln. Also bevorzuge ich gleich die Bügelmethode, weil ich mir da sicher sein kann, dass das Bienenwachs gut genug in den Stoff eingezogen und eingearbeitet ist.

Edelstahlschüssel mit einem bunt gemusterten Bienenwachstuch oben darauf

So macht ihr Bienenwachstücher selbst - Anleitung

  1. Schneidet euch ein Stück Stoff auf die gewünschte Größe zurecht. Es sollte nicht aus Kunstfaser bestehen oder zu dick sein. Sprich kein Handtuch.

  2. Legt es auf ausreichend großes Backpapier.

  3. Legt eventuell eine alte Bastelunterlage oder Zeitungspapier unter, da Wachs auch etwas daneben gehen kann.

  4. Raspelt das Bienenwachs klein oder nutzt kleine Bienenwachspellets

  5. Verstreut sie gleichmäßig auf dem Stoff. Richtwert: ein Bienenwachspellet auf jedem Quadratzentimeter. Lasst am Rand einen 1cm breiten Rand ohne Bienenwachs frei.

  6. Legt ein weiteres Stück Backpapier auf das mit Bienenwachs bestreuten Stück Stoff. Wichtig: das Backpapier muss groß genug sein. Ist es das nicht, nutzt mehrere Backpapiere und sorgt dafür, dass sie an den Übergängen mindestens vier Zentimeter überlappen. Ansonsten riskiert ihr Bienenwachs auf dem Bügeleisen. Das wollt ihr tunlichst vermeiden!

  7. Stellt das Bügeleisen auf Baumwollstufe ein! Wartet bis es die Temperatur erreicht hat!

  8. Nun könnt ihr vorsichtig und langsam darüber bügeln. Ihr seht neben dem Bügeleisen, wie das Wachs schmilzt. Deshalb war es auch wichtig, dass ihr den Rand frei lasst. Es wird am Rand trotzdem etwas Wachs auf das Backpapier herausschmelzen, aber nicht so viel. Arbeitet auch die Ränder gut aus. So fransen sie nicht aus.

  9. Wartet eine Minute bis ihr das Backpapier abzieht. Das braucht etwas Fingerspitzengefühl. Zieht ihr zu früh ab, habt ihr sehr viel Bienenwachs am Backpapier. Zieht ihr erst nach 4 Minuten ab, ist ein Teil schon angetrocknet und ihr reißt die Wachsschicht mit herunter. Ihr merkt es aber ganz schnell, ob es passt, wenn ihr euch euren Stoff anseht.

  10. Ich habe das Bienenwachstuch über eine Schnur aufgehängt und trocknen lassen.

  11. Einölen: gebt alle vier Zentimeter einen kleinen Tropfen Sonnenblumen- oder Rapsöl auf euer Wachstuch und verteilt es mit einem Pinsel. Das macht das Wachstuch noch geschmeidiger


Wie man das Bienenwachstuch herstellt, habe ich auch bei Gallilieo im großen Plastik-Experiment gezeigt.


Fragen & Antworten


Muss man beim Stoff die Kanten versäubern bzw. umnähen?

Man muss sich nicht die Mühe machen vorher die Kanten des Tuchs zu vernähen oder umzunähen. Durch das Wachs franst das Tuch nicht aus und man kann es sogar hinterher nochmal in die gewünschte Form bringen.

Nein, das ist nicht egal. Der Stoff darf nicht aus Kunststoff wie Polyesther bestehen und sollte nicht zu dick sein. Also kein Handtuch wählen, denn sonst wird das Tuch zu starr und schmiegt sich nicht so gut an den gewünschten Gegenstand an.

Achtet darauf, dass der komplette Stoff mit Bienenwachs getränkt sein. Klappte das nicht auf Anhieb, bügelt einfach nochmal über die Stellen oder gebt bei Bedarf noch ein bisschen Wachs dazu.

Wärmt das fertige Bienenwachstuch vorher ein wenig mit den Händen an. Dadurch schmiegt sich das Tuch besser an den Gegenstand an.

Ja, das geht. Wenn ihr eines für Brot wollt, beachtet, dass der Stoff sehr groß sein muss. Dafür braucht ihr auch viel Backpapier. Achtet darauf, dass es an den Schnittstellen mindestens 3 Zentimeter überlappt, damit ihr kein Wachs aufs Bügeleisen bekommt.

Ja, das geht und wird auch viel für Lunchbags für den Kindergarten gemacht. Allerdings bin ich persönlich kein Freund davon, weil die Nadeln dann so schnell ausgetauscht werden müssen. Sie sind ja dann voller Wachs.

Ja, das geht z.B. mit Carnaubawachs. Allerdings schmiegt sie sich nicht an Schüsseln an. Da muss man mit einem Gummiband oder einer Schnur ggfs. nachhelfen.

Warum das Bienenwachstuch seit 2016 doch häufiger benutzt wird

Grund sind unsere Rührschüsseln. Im Laufe der vergangenen Jahre haben wir ja unsere Plastikschüsseln aus der Küche gegen rostfreie Edelstahlschüsseln ersetzt. Wir nutzen sie gleichzeitig als Salat- und als Rührschüsseln. Das hat den Vorteil, dass sie unkaputtbar sind und auch nach jahrelanger Abnutzung keine Plastikteile im Teig landen. Außerdem sind sie im Gegensatz zu ihren Kunststoffpendants vollständig recycelbar, enthalten keine hormonwirksamen Substanzen und können im Gegensatz zu Hartplastik nicht brechen. Allerdings bekommt man sie nur mit einem Plastikdeckel, wenn überhaupt mit Deckel. Wir nutzen nun als Abdeckung das Bienenwachstuch. Auch wenn die Schüssel auf die Seite kippt, was beim Transport mit dem Rad leicht passieren kann, fällt der Salat nicht raus. Allerdings könnte etwas Salatsoße herauslaufen, wie bei Frischhaltefolie auch. Die Salatsoße nehmen wir deshalb in einem Einmachglas extra mit. (Wer angst vor Glasbruch haben sollte, zieht einfach als Schutz einen sauberen! dicken Socken drüber.) Ohnehin sollte man die Salatsoße erst kurz vor dem Servieren zum Grünzeug hinzugeben, damit es knackig bleibt und nicht zusammenfällt. Praktisch ist das Bienenwachstuch auch unterwegs, wenn man sich schnell eine belegte Semmel/Brötchen :-) oder ein Teilchen beim Bäcker für die Pause holen möchte. Das Bee`s Wrap passt zusammengefaltet in jede Hand- oder Jackentasche, da es kaum Platz wegnimmt und bei spontanen "Hungerkäufen" spart man sich den Verpackungsmüll.


Bienenwachstücher sind für viele Menschen eines der ersten Schritte zur Müllvermeidung

Bei unseren Workshops bzw. Infoständen war für die Leute auch das Bienenwachstuch eines der faszinierendsten Dinge zur Müllvermeidung. Dazu kamen die meisten Fragen und Rückmeldungen und es wurde als eines der Dinge genannt, die neben den Shampoobars als erstes umgesetzt werden sollten. Es wird also als hilfreich empfunden, um Verpackung und den damit verbundenen Abfall zu vermeiden.

Infos zu Bienenwachs:

Dass wir ein großes Bienensterben (colony collapse disorder, kurz ccd) haben, weiß mittlerweile jeder. Aus diesem Grund gibt es mittlerweile viele Hobbyimker, die Bienen halten, um den Bestand zu retten. Ohne den Menschen (und auch wegen ihm!) haben sie momentan wegen der Varroamilbe, der extensiven Landwirtschaft mit zu wenig ökologischen Nischen, Monokultur und Pestizideinsatz etc. kaum eine Chance mehr zu überleben. Oft muss zugefüttert werden oder die Bienen schonend gegen Parasiten behandelt werden, damit sie überleben.

Auch wenn den Bienen nicht den Honig klaut - Wachs fällt trotzdem an: Brutwaben (bestehen aus Wachs) im Stock sollten nach ein paar Jahren herausgenommen werden, weil beim Schlüpfen immer etwas Haut zurückbleibt, wodurch die Wabe kleiner wird und auch die Bienen, so dass sie verkümmern durch zu kleine Flügel etc..

Wachs fällt also als Abfallprodukt an. Das Entnehmen ist ein Muss, um den Stock am Leben zu halten und widerstandsfähig zu machen - egal ob der Imker den Bienen den Honig lässt oder nimmt. Hier halten Menschen die Bienen, um den Bestand zu retten (und vielleicht auch sich selbst?). Das sieht anders bei der Entnahme von Honigwaben aus. Da bereichert sich der Mensch.

Ein nachhaltig wirtschaftender Imker sollte allerdings nur Honig entnehmen, wenn der Stock es verträgt, vielleicht auch nur alle paar Jahre und dafür Sorge tragen, dass keine Biene in der Schleuder landet. Beim Schleudern kann es passieren, dass Waben kaputt gehen. Dadurch fällt wieder etwas Wachs an. Ansonsten werden die Waben wieder eingesetzt, damit die Bienen gleich wieder Honig sammeln gehen können und nicht ihre Energie in den Wabenbau stecken müssen.


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