Wie deine Zahnbürste Plastik in der Wohnung verteilt
- Stefanie Kießling

- 26. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Apr.
So gelangt Mikroplastik in die Umwelt
Das ist wieder ein Beitrag aus der Reihe: Plastik in der Umwelt - Ich war`s nicht.
Dabei war ich es doch...

Was ist denn mit der Zahnbürste passiert? Das blaue Plastik ist an der Stelle, wo man die Zahnbürste hält, ist komplett weg.
Durch die (Ab)-Nutzung hat sich der Kunststoff abgerieben und gelangte in die Umwelt. Das merkt man oft gar nicht. Man sieht es erst, wenn es großflächiger wird. So wie bei der Zahnbürste.
Der weiche Kunststoff ist angenehm beim Greifen. Allerdings nutzt er sich in der Regel auch schneller ab als harter Kunststoff. So entstehen kleine Mikropartikel, die sich ungesehen lösen und in unserer Umgebung landen. Sie sind oft so klein, dass wir sie nicht mit bloßem Auge entdecken können.
Was man an diesem weichen Kunststoff allerdings sieht: Er wird sehr klebrig mit der Zeit. Auf diese Weise ist er nahezu nicht mehr zu reinigen. Er verbindet sich fest mit Staub. Abwischen kann man das aber nicht mehr, weil sich dadurch sehr schnell noch mehr Partikel lösen.
Missverständnis bei der Haltbarkeit von Plastik
Wenn man also davon spricht, dass Plastik ewig hält, dann meint man damit nicht, dass ein Plastikprodukt ewig in seiner ursprünglichen Form hält. Nein! Damit ist vielmehr gemeint, dass es sich ewig in der Umwelt hält.
Das ist ein entscheidender Unterschied. Die Behauptung, Plastik würde ewig halten, suggeriert, dass eine unendliche Nutzbarkeit. Das ist aber falsch.
Sprache hat Macht! Hier sollte man präzise sein. Es kommt so immer wieder zu Missverständnissen. Solche Formulierungen werden oft gezielt eingesetzt, wenn man Greenwashing betreiben will, um Produkte als nachhaltiger zu bewerben als sie sind.
Es gibt zwei Arten von Mikroplastik - primäres und sekundäres
Kunststoff hält nicht immer in der Form, wie man es möchte. Es zerfällt in immer kleinere Partikel.
Das nennt sich sekundäres Mikroplastik.
Sekundäres Mikroplastik entsteht durch Reibung, Wind, Wetter, UV-Strahlung etc. Es wurde nicht mit Absicht als Mikroplastik in die Umwelt ausgebracht. Es entstand vielmehr durch Zersetzung und Loslösen von größeren Gegenständen.
Typisches Beispiel: Reifenverschleiß durch Autofahren. Die Reifen sondern durch den Abrieb (mechanische Reibung) kleine Mikroplastikpartikel ab. Das ist mit mehr als 40% eines der größten Eintragsquellen von Mikroplastik in der Umwelt. (Quelle: Siegfried et. al 2017). Auch der Abrieb der Zahnbürste gehört in diese Kategorie.
Sekundäres Mikroplastik: Hierbei handelt es sich um Partikel, die absichtlich in dieser Form hergestellt und eingesetzt werden, etwa als Füllmaterial für Kunstrasenplätze oder in der Kosmetik.
Die EU reguliert mittlerweile den Eintrag von primären Mikroplastik, das wissentlich in dieser Form in die Umwelt gelangt. So wurde beispielsweise schon Glitzer aus Kunststoffen oder Schleifmittel in Peelings synthetischen Polymeren verboten. Dafür gibt es schon seit Jahren Alternativen, die manche Konzerne freiwillig eingesetzt haben, obwohl sie teilweise teurer waren. Da trotz vieler Bemühungen nicht alle Hersteller mitzogen, trat letztendlich das "Mikroplastik - Verbot" in Kraft.
Das betrifft, wie gesagt, aber nicht das sekundäre Mikroplastik wie von der Zahnbürste.
Was kann man gegen sekundäres Mikroplastik tun?
Vermeiden! Es gibt Alternativen wie Bambuszahnbürsten, meistens Handzahnbürsten zum Schrubben.
Aktuell ist mir noch keine elektrische Zahnbürste bekannt, die rein aus Bambus besteht. (Wenn da zwischenzeitlich ein neues Produkt auf den Markt kommt, schreibt mir bitte entweder in die Kommentare oder per Kontakt)
Die austauschbaren Aufsätze dagegen bestehen inzwischen schon oft aus Bambus. Allerdings sind die Borsten aus Plastik. Hat die jemand von euch schon ausprobiert? Wie zufrieden seid ihr? Wir waren jetzt hier noch nicht so berauscht.
Achtung Biokunststoffe!
Es werden zwar elektrische Bambuszahnbürsten verkauft. Allerdings ist der Griff bisweilen aus Biokunststoff. Biokunststoff bedeutet nicht, dass dadurch kein Mikroplastik entsteht. Das bedeutet lediglich, dass der Kohlenstoff nicht von endlichen Resssourcen wie Ergas oder Erdöl stammt, sondern aus nachwachsenden Quelle wie z.B. Bambus oder Zuckerrohr. Biobasierter Kunststoff ist damit nicht automatisch biologisch abbaubar oder gar kompostierbar. Die Zusatzstoffe (Additive) bestimmen hierbei die Abbaubarkeit. Sind die gleichen oder ähnliche Additive verwendet worden, ist der biobasierte Kunststoff genauso wenig abbaubar wie der synthetische. Das Mikroplastik-Problem bleibt bestehen.
Fazit: Plastik ist mehr als nur Verpackungsmüll
Es wird gerne behauptet, dass Plastik nur ein Problem ist, wenn man es achtlos in die Umwelt wirft. Mitnichten. Doch Mikroplastik entsteht schleichend durch die reine Nutzung ganz alltäglicher Dinge – beim Zähneputzen oder beim Waschen von Kleidung.
Lest dazu auch gerne diesen Artikel:
So viel Mikroplastik entsteht durch deine Klamotten - allein durch Waschen & Trocknen!
Beim Waschen und der Nutzung von Trocknern entstehen Millionen von Plastikpartikeln. Diese gelangen ins unser Wasser und können zum Großteil nicht herausgefiltert werden. Lest rein für Studien, Fakten und Lösungen.
Manchmal kann man Kunststoff nicht oder nur schwer vermeiden.
Aber da, wo man es kann, sollte man es tun.
Forscher* haben Nanoplastikteilchen, also Mikroplastik im Nanobereich, in sämtlichen Organen gefunden (von Herz bis Lunge).
Auch Pflanzen nehmen Mikroplastik auf. Manchmal wird behauptet, dass sie sogar Mikroplastik essen. Das sieht auf den ersten Blick nach einer Lösung aus - ist es aber nicht. Sie verdauen die Nanopartikel nicht, sondern nehmen sie auf. Wie das funktioniert zeige ich euch in folgendem Artikel.
Mikroplastik in Pflanzen
Können Pflanzen Mikroplastik aufnehmen?
Kann es Pflanzen schaden?
Spoiler: ja! Kann es zu Ernteeinbußen kommen?
Wenn Ihr noch mehr zum Thema Mikroplastik erfahren wollt, dann lest gerne mal ➡️hier rein!
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