Zero Waste beim Zahnarzt: warum ich meinen Becher mitnehme

Aktualisiert: vor 4 Tagen
& Tipps für Zahnarztpraxen: Müll vermeiden leicht gemacht
Tschüss Plastikbecher beim Zahnarzt
Kennt ihr die Plastikbecher beim Zahnarzt und der Zahnreinigung? Für jeden Patienten* gibt es einen neuen.
Ganz schön viel Müll.
Deshalb nehme ich meinen eigenen Becher mit. Schon seit Jahren.

Die Reaktion der Zahnarzt-Praxis auf meinen selbst mitgebrachten Becher?
Als ich vor ein paar Jahren fragte, ob es in Ordnung ist, wenn ich meinen eigenen Becher mitnehme, um Plastik zu vermeiden, war man überrascht und nachdenklich zugleich. Wieviel Müll entsteht eigentlich durch die vielen Plastikbecher?
Hygienisch ist es wohl auch vertretbar, wenn die Patienten ihren eigenen Becher mitnehmen, denn ich bekam grünes Licht.
Mein selbstverständlich sauberer Becher - im eigenen Interesse des Patientens* 😀-wird nun mit einen Grinsen aufgenommen und befüllt.
Macht es Sinn, den eigenen Becher mit zum Zahnarzt zu nehmen?
Ja. Beispiel: ich mache drei Mal im Jahr eine Zahnreinigung und ein- bis zwei Mal im Jahr eine Kontrolle. Da kommt schon was zusammen. Bei den Kontrollen brauche ich den Becher meist nicht, bei der Zahnreinigung definitiv.
Rechnet das mal auf eure Familie hoch oder die Millionen von Deutschen, Österreichern, Schweizern.... Man geht pro Praxis von mindestens 10.000 Plastikbechern pro Jahr aus.
In anderen Bereichen setzt man ja auch auf Mehrweg: Zur Physio nimmt man schließlich auch das eigene Handtuch mit, ins Fitnessstudio ebenso, in die Sauna sowieso oder zu Fango ohnehin.
Wie groß darf ein Becher für die Zahnarztpraxis sein?
Der Becher sollte nicht höher als 9cm sein, damit er gut unter den Hahn passt.
Gibt es Mehrwegalternativen für Becher in Zahnarztpraxen?
Ja, die gibt es. Die bayerische Landes Zahnärzte Kammer weist auf ihrer Homepage ausdrücklich darauf hin. Sie sind auch im Reinigungsund Desinfektionsgerät (RDG) desinfizierbar z.B. Becher aus Edelstahl oder der Dentcup. Dies bedeutet für eine Praxis allerdings mitunter mehr Aufwand z.B. durch das Aus- und Einräumen des Geräts etc. Vermutlich finden einige Praxen deshalb die Idee vom selbst mitgebrachten Becher deshalb am praktikabelsten. Allerdings weist die Bundeszahnärztekammer in ihrem Paper "Nachhaltige Zahnmedizin" darauf hin, dass "selbst eine
aufwändige Aufbereitung umweltschonender ist, als eine konstante Neuanschaffung aus Plastik."
Nachhaltigkeit in der Praxis: So können Zahnarztpraxen Müll reduzieren
Mehrweg - Becher statt Plastikbecher anbieten
Patienten bitten ihren eigenen Becher mitzunehmen z.B. Plakat im Wartezimmer
Licht mit Bewegungsmelder - spart Strom.*
biologisch abbaubare Handspülseife und Reinigungsmittel ( oder zumindest die Siegel Blauer Engel oder Ecocert. Sie garantieren zwar keine 100%ige biologische Abbaubarkeit, sind aber eine gute Orientierung, da sie die strengsten Umweltsiegel in dem Bereich sind)
Handtücher zum Waschen statt Papierhandtücher auf der Toilette.
Papierhandtücher aus 100% Recyclingpapier verwenden (das garantiert beispielsweise das Siegel "Der blaue Engel). In den Bereichen, in denen das Personal die Hände abwischt, sind Papiertücher vorgeschrieben. (Quelle: Bayerische LandesZahnärzte Kammer)
Bestellungen möglichst großer Gebinde sparen Verpackungsmaterial und
Transportwege.
Patienten bitten oder darauf hinweisen, eigene Becher mitzunehmen
Im Wartezimmer oder Sozialraum Mehrwegbecher anbieten.
Zahnbürsten nur auf Nachfrage und nicht kostenlos
Kompostierbare Zahnbürsten
Zahnbürsten nur auf Nachfrage zu bieten ist ein sanfter Antoß, um über das eigene Konsum verhalten nachzudenken. Denn bietet man sie standardmäßig an, dann nehmen die Leute das Angebot unreflektiert an. Wenn sie wissen, sie müssen zu Hause oder mit ihrer eigenen Zahnbürste putzen, dann tun sie es auch. Zur Not nimmt man die Reisezahnbürste mit, wenn man direkt aus der Arbeit zum Zahnarzttermin fährt. An die würde man aber nicht zwingend denken, wenn man weiß, dass in der Praxis die Zahnbürsten bereit liegen. Muss man aber danach fragen, ist es den meisten unangenehmer. Denn man wird automatisch daran erinnert, dass man selber an die Zahnbürste hätte denken können. Nicht vom Personal (von denen bekommt man sie ohne zu zögern), sondern durch das Nachfragen. Das ist nämlich eine kleine Hemmschwelle.
Generell fände ich es in Ordnung, wenn die Zahnbürsten nicht gratis herausgegeben werden würden. Warum auch sollte man Verschwendung noch mit einer gratis Zahnbürste belohnen? Außerdem könnte man auf diese Weise sogar kompostierbare Zahnbürsten anbieten. Erstens zahlen es die Patienten sowieso. Sie können auf diese Weise auch einmal die kompostierbare Variante ausprobieren oder erfahren überhaupt von ihr.
Wie denkt ihr darüber? Schreibt gerne ganz unten in die Kommentare! Wie ist das in eurer Zahnarztpraxis? Oder generell in anderen Arztpraxen?
*Warum ist Stromsparen auch Zero Waste? Aktuell haben wir immer noch einen Mix aus erneuerbaren und fossilen Energiequellen. Gas und Erdöl sind nicht mit Kreislaufwirtschaft, dem Ziel von Zero Waste vereinbar. Außerdem entstehen viele Emissionen, die im Endeffekt auch Müll sind, wenn auch oft auf den ersten Blick unsichbar, wenn sie z.B. wie CO2 gasförmig sind. CO2 kommt an sich natürlich vor, allerdings reichert sich ein Übermaß an und sorgt für negative Effekte wie Dürren, Überschwemmungen, Erneausfälle, Klimaerwärmung etc.
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Spoiler ja. Warum und wie genau, erkläre ich hier in einfacher Sprache:
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Wie handhaben Zahnarztpraxen eigentlich die mitgebrachten Becher hygienisch – werden sie vor der Behandlung kurz kontrolliert oder einfach direkt unter den Hahn gestellt?
Hello