10 Schritte: Zero Waste starten samt Checkliste
- Kieselstein (Stefanie Kießling)

- 17. März 2024
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Jan.

Wie und wo fängt man eigentlich mit der Mülldiät an?
Egal wo und wie, hauptsache du fängst an!
Einige haben gefragt, wie wir angefangen haben unseren Müll zu reduzieren. Manche wissen wegen der aufkommenden Müll-Flut gar nicht, wo sie anfangen sollen. So war es bei uns: Vorneweg gesagt, Mülldiät kann man mit einer normalen Diät vergleichen. Wenn es erfolgreich sein soll, dann muss es eine langfristige Veränderung sein. Das bedeutet: Gewohnheiten überdenken und Schritt für Schritt verändern. Wo fängt man also an? Zuerst im Kleinen, bei sich selbst. Denn bis die großen Player etwas tun, vergeht Zeit. Deshalb ist es umso wichtiger, dass ihr die richtigen Parteien und Produkte wählt.
Zwischenzeitlich könnt ihr bei euch anfangen und hoffentlich andere anstecken!
1. Trennen, recyceln und Verbundmaterial vermeiden!
Dass ihr euren Müll trennt und recyceln lassen, setzen wir einmal voraus. Das kann man auch sehr genau machen. Die Alu – Tube zum Aluminium, den Plastikdeckel in die gelbe Tonne oder zum Plastikcontainer. Aber auch Verbundmaterialien kann man teilweise auseinander nehmen: Wenn Plastik mit Papier verbunden ist etc., dann könnt ihr das einfach auseinander nehmen. Deckel ab vom Joghurtbecher, Schraubdeckel ab vom Einwegglas. Vom Mehrwegglas bitte nicht, denn in diesem Fall schützt er das Gewinde.
Generell vermeidet Produkte, die in Verbundmaterialien verpackt sind. Das sind Verpackungen, die aus verschiedenen Materialien bestehen und oft schwer auseinander zu bekommen sind. Das Papier, dem Plastikfolie eingestanzt wurde, mit Alu beklebt oder aus verschiedenen Kunststoffarten besteht. Das ist alles schwer zu recyceln oder macht vom Aufwand her finanziell und energetisch wenig Sinn.
2. Lernt Eure Baustellen kennen!
Ihr könnt nur Müll vermeiden, wenn ihr auch euren Müll kennt!
Startet am besten, wenn die Tonnen geleert wurden. So seht ihr, was bei euch alles anfällt. Dann wisst ihr auch, wo eure Baustellen liegen. Es werden viele sein - nehme ich an! Das könnte entmutigen....aber seht es einfach so: Ihr habt eine große Auswahl, wo ihr anfangen könnt! 😀
3. Einkaufen mit (eigenem) Mehrweg!
Dann geht einkaufen und versucht dabei, möglichst verpackungslos einzukaufen, indem ihr eigene Verpackungen wie Taschen, Körbe, Gläser, Dosen etc. mitnehmt. Viele Tipps zum Thema "Zero Waste Einkaufen" angefangen bei Taschen, Einkaufsliste bis Einkaufsgemeinschaften findet ihr unter unseren Zero Waste Einkaufstipps. 100% verpackungslos einzukaufen, wird schwierig sein. Nicht nur beim sichtbaren Müll. Immerhin gibt es ja auch noch den versteckten Müllrucksack. Müll, der bei der Produktion des Produkts und der Rohstoffe dafür anfällt, genauso wie die Emissionen. Aber es geht darum, den Restmüll möglichst stark zu reduzieren und auch den Recyclingabfall. Meist konsumiert man zu viel und auch noch das Falsche. Setzt hier an! Kauft gute Produkte! Gesund, frisch, regional und möglichst unverpackt. Ist das nicht möglich, dann kauft in recycelbaren Verpackungen, Mehrweg oder Großpacks. Bei Großpacks kann man bis zu 80% des Abfalls einsparen.

Beispiel: Nehmt einfach größere Packs. Diese Minis müssen gar nicht sein. Es gibt sie auch in 1-3 kg-Packung und man kann sie auch offen im Unverpackt-Laden kaufen. Allerdings geht letzteres bei Bonbons tatsächlich ins Geld. Wer darauf schauen muss, greift zu Großpacks.
Damit habt ihr einen Teil der Müllzufuhr schon eingedämmt. Nehmt euch als nächstes den Mülleimer vor! Was ist noch im Restmüll?
4. Lebensmittel verwerten:
Essensreste? Klar, auch wenn man möglichst gut verwertet, fallen sie an. Oft kann man sie aber noch reduzieren mit einer guten Resteverwertung.
Ein Haushalt in Deutschland wirft mehr als 30% der Lebensmittel weg. Stellt euch vor, die würdet ihr besser verwerten, dann müsstet ihr 30% weniger nachkaufen.
Das bedeutet:
ihr kauft 30% weniger Verpackung
dadurch habt ihr 30& weniger Verpackungsmüll
ihr habt 30% weniger kompostierbaren Abfall
ihr habt 30% weniger ausgegeben. Ihr spart euch Geld, das ihr wiederum anders investieren könnt z.B. in Bioprodukte. Und wenn ihr Bioprodukte kauft, könnt ihr sogar auch Schalen verwerten z.B. von Zitronen und Orangen.
eventuell spart ihr euch auch noch Fahrt- und Entsorgungskosten, sowie den Zeitaufwand zum Nachkaufen etc.
5. Kompostiert!
Eure Lebensmittelreste sind nass und brennen schlecht. Deshalb machen sie in der Restmülltonne wenig Sinn. Sinnvoller ist es, wenn neue Erde daraus entstehen kann, eventuell noch Biogas, Energie oder Pflanzenkohle. Überlegt, ob Ihr nicht kompostieren könnt! In einigen Landkreisen gibt es eine Komposttonne anzumieten, die dann alle paar Wochen geleert wird oder die Bezirke bieten eine öffentliche Kompostierungsanlage an. Auch der Wertstoffhoff muss euer Kompostmaterial aus der Küche annehmen, wenn ihr keine Biotonne bekommen könnt. Für Gartenbesitzer gibt es einige Kompostmöglichkeiten (Miete, Wurmkompost etc.), für Gartenlose eignet sich der eine Wurmbox oder ein Bokashi für die Küche. Wenn Sie keine Garten haben, gibt es folgende Möglichkeiten den fertigen Bokashi loszuwerden: Freunde oder Nachbarn mit Garten, die öffentliche Kompostieranlage, die grüne Tonne. Bokashi ist ein prima Kompoststarter, 1a-Dünger und Bodenbeleber. (Unsere Erfahrungen mit dem Bokashi). Generell ist es auch eine Überlegung wert, sich im Umkreis umzuschauen und zu fragen, ob Gartenbesitzer Kompostmaterial brauchen und man den Kompost mitbenutzen dürfe. Wir haben zwar einen kleinen Garten, setzen aber auf den Bokashi, weil man darin auch gekochte Essensreste und tierische Produkte ohne Geruchs- und Schädlingsbelästigung verwerten kann. Fallen auch die Essensreste aus, schaut man weiter, was sonst noch anfällt.
Vielleicht Taschentücher, Hygieneartikel, Servietten?
6. Reusing: Setzt auf Wiederverwendlinge!
Es gibt eine ganze Menge Dinge im Haushalt, die leicht durch immer wieder verwendbare Produkte zu ersetzen sind (vielleicht hilfreich: unsere "Zero Waste"-Tipps für den Alltag). Ein paar Beispiele: Servietten, Taschentücher, Binden oder diverse Lappen zum Abwaschen kann durch waschbare Alternativen ersetzen, Shampoos durch Konzentrate oder ergiebige, in Papier oder unverpackte Haarseifen (Shampoobar), Rasierer durch Rasierhobel, bei deren Klingen alle kompatibel sind und nur in Papier verpackt gibt. Damit spart man bares Geld. Auf manche Dinge kann man auch verzichten. Das ist auch sehr individuell.
7. DIY
Eine weitere Möglichkeit Müll zu reduzieren ist es, Dinge selber zu machen z.B. Klarspüler. Ganz wichtig: macht das, was eure Zeit erlaubt und was ihr machen möchtet! Man muss nicht alles selbst machen. So weit muss es gar nicht gehen! DIY hilft Müll zu reduzieren und oft auch noch Geld zu sparen. Aber es ist kein Muss! Jedes Stückchen Müll, das nicht verschwendet wird, ist ein guter Schritt nach vorne. Insbesondere dann, wenn es mehrere machen. Fällt es Euch aber zur Last, werdet ihr es wohl nicht weiter durchziehen. Es muss machbar bleiben. Bitte achtet dabei auf euch!
8. Dealt mit Fertigkeiten!
Natürlich nicht mir Drogen...Ist ja wohl klar...
Zum Selbermachen aber gibt es noch einen kleinen Tipp: Man kann auch tauschen. Wir machen genau eine Sorte Marmelade ein und tauschen dann mit Freunden, Bekannten und Verwandten. So haben wir fünf Sorten Marmelade zu hause. Das ist doch mal eine Auswahl!

9. Selbst versorgen, wo es geht!
Wenn ihr könnt und wollt, baut selbst an: Kräuter auf der Fensterbank, auf dem Balkon oder im Garten, vielleicht sogar neben Erdbeeren und Himbeeren?
Diese könnt ihr trocknen und als Jahresvorrat konservieren.
Der kleinste Garten ist ein Topf.
Für Fenster gibt es zum Klemmen (ohne Bohren) Balkonkästen. Darin kann man sich Wintersalate ziehen, Radieschen oder Kräuter wachsen lassen.
Kräuter sind in normalen Läden oft schwer ohne Verpackung zu bekommen. Außerdem sind sie teuer. Zieht ihr sie selbst, könnt ihr Geld sparen.
Für Balkone und Hauswände bieten sich auch Vertikalbeete an, wenn man keinen Garten hat.
Ihr tut damit auch etwas für die Artenvielfalt.
10. Vorrat halten
Vorratshaltung kann Euch einige Wege und Zeit, damit verbundene Kosten, sowie Verpackung abnehmen. Wir haben vor unserer Zero Waste Zeit schon ein Vorratsregal und eine Gefriertruhe gehabt. Leider verfügen wir nicht über einen kalten Keller oder gar einen Erdkeller. Also greifen wir auf unseren Kellerschacht im Winter zurück. Dort gefriert es nicht und ist kühler als draußen, wenn es über null Grad hat. Somit können wir dort im Winter auch unser Gemüse, wie Rüben, Pastinaken, Sellerie oder Kartoffeln lagern. Das Gitter auf dem Schacht haben wir mit einem feinmaschigen Drahtgitter überzogen, damit keine Mäuse reinkommen. Das war bei der Lagerung in der Holzlege, sowie der Garage das Problem. Wenn ihr wollt oder je nach Gemüseart müsst, dann deckt den Schaft dunkel z.B. mit einem Karton ab.

Wir hoffen, diese erste Schritte helfen auch Euch, Müll zu reduzieren.
Mein persönlicher Tipp:
Schritt für Schritt ist auch voran - beginnt in eurem Tempo. "Langsam, aber stetig" ist eine gute Strategie und keine schlechte!
Wenn etwas nicht klappt, stellt das Thema hinten an und sucht euch eine neue Baustelle. Es werden sich immer welche finden - ich schwör`s Euch! Eigene Erfahrung!
Ihr müsst es nicht alleine tun!
Gemeinsam mit einem Freund/ einer Freundin ist es leichter Lösungen und Ideen zu finden. Und ansonsten folgt uns einfach mal hier.
Wo habt ihr angefangen? Wo fällt es euch schwer und wo leicht! Oder wo wollt ihr anfangen? Was fiel am leichtesten? Schreibt gerne eure Erfahrungen oder Tipps in die Kommentare!
Vielleicht auch interessant:

Günstig Zero Waste & plastikfrei starten
Tipps für alle Anfänger - auch mit kleinem Budget. Dass Zero Waste immer teuer ist, ist ein Gerücht und falsch.
Ich zeige euch, wie es mit wenig Geld geht - für Familien, mit kleinem Budget, Studenten, Alleinerziehende, Senioren und alle anderen, die Geld aufs Geld schauen müssen.
Wasser sparen mit einer Schüssel
Dieser Zero Waste Küchenhack kann doch einiges ausmachen. Warum erfährst Du im Beitrag.










Kommentare